Freitag, 2. Januar 2015

Wir verbrennen das alte Jahr :)!

Mit großen Schritten ging es nun auf Silvester los! Montag und Dienstag arbeitete ich noch, daher begannen wir erst am 31. Dezember mit dem Jahresputz, der so schnell aber noch nicht abgeschlossen sein sollte :D Abends besuchten wir noch die Oma und Jorge, um ihnen einen guten Rutsch zu wünschen. Eigentlich feiert man hier Silvester auch in der Familie, aber Maribel feierte mit Fausto und der Oma war auch nicht nach großer Familienfete. Also blieb zwar Tanya mit Juanito bei ihnen über Nacht, aber ohne groß zu feiern. Soraya und ich organisierten uns also spontan ein supergeniales Silvester :D
Viejo basteln, verbrennen und darauf anstoßen ;)
Die erste Etappe wurde bei der Oma bestritten. Tanya, Juanito und ich bastelten ganz traditionell einen Viejo, der das alte Jahr (Año Viejo) repräsentiert und eigentlich erst um Mitternacht verbrannt wird. Bei dem Verbrennen steht aber nicht nur der Abschluss des alten Jahres im Vordergrund, oft wird damit auch eine Person in Verbindung gebracht, der Viejo bekommt also deren Namen. Diese Person hat sich zum Beispiel etwas im vergangenen Jahr geleistet oder man möchte ihr einfach für das kommende Jahr viel Glück wünschen. So kam es, dass wir Karin verbrannten :D
Mit unserem Feuermeister Juanito trugen wir also dann schon um 21 Uhr den Viejo bzw. bei uns ja dann Vieja auf die Straße zum Anzünden und stießen auf 2014/2015 an :)
Für Soraya und mich ging es dann auch schon weiter, aber aufgrund von schon nicht mehr verkehrenden Bussen liefen wir den einstündigen Weg von der Ciudadela Calderón bis nach María Auxiliadora an der Avenida de las Americas entlang. Währenddessen hatten wir genug Zeit, das Jahr zu analysieren und kamen auf ganz andere Rückblicke. Während für Soraya 2014 mit dem Auszug von Karin eins der schwersten Jahre war, meine ich, dass 2014 "MEIN JAHR" war. Die ganze Abizeit, mein 18.er, die Zeit danach mit Freunden, Reisen, Feiern und Weltmeisterschaft und schließlich mein FSJ in Ecuador sind nur einige Höhepunkte :)
Die Heulsusen
Aber davon abgesehen sind wir auch so einigen lustigen Gestalten begegnet... Jungs als Llorona verkleidet, Heulsusen, die dem alten Jahr hinterher heulen :D
 Zurück Zuhause wurde der nächste Schlachtzug vorbereitet. Wir füllten den altbekannten Tetrapak-Küchenwein in meine etwas unscheinbarere Sigg-Flasche um, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier in Ecuador eigentlich verboten. Mit unserer umfunktionierten Flasche ging es dann auf Streifzug in die Stadt, auf der Suche nach interessanten Leuten zum Anstoßen. Cuenca schien in dieser Nacht ziemlich von Ausländern besetzt. Die Cuencaner waren ja auch daheim am Feiern mit der Familie ;) So stießen wir mit einem Amerikaner an, trafen einen nicht-trinkenden Schweizer und noch einige andere.

Das war uns aber noch nicht genug und so setzten wir uns zum Ziel in dieser Nacht alle vier Elemente antreffen zu wollen. So fand ich mich nach kurzer Zeit am Río Tomebamba wieder, wo ich endgültig von Soraya auf Lady Laura getauft wurde, damit auch ich das ecuadorianische Kriterium der zwei Vornamen erfülle. Zur Erklärung: Lady Laura kommt von einem schon etwas älteren Lied, mit dem eine Hymne auf die Mutter Lady Laura gesungen wird.
 
Nach der überstandenen Taufe ging es dann weiter und langsam auf die 12 Uhr zu. So fanden wir uns bei einer Straßenparty ein, zu der ein übergroßer Obama mit Pferdelächeln und ein Fidel mit Affen-Segelohren in Freundschaftsketten einluden. Viejos werden nicht nur allein verbrannt, lauter begeisterte Ausländer hatten sich damit ausgestattet und schichteten ihre Trophäen zu einem mittelgroßen Haufen auf. Dieser wurde dann natürlich von Obama und Fidel bethront und pünktlich um 00 Uhr des neuen Jahres in Flammen gelegt.
Um im nächsten Jahr nicht weniger vom Glück verfolgt zu werden sprang ich dann auch dreimal über dieses Feuer drüber, immer in guter Gesellschaft von anderen Glückssüchtigen ;) Außerdem durften die unterschiedlichen Nationen gerne am Mikrofon ihre Grüße in eigener Landessprache ausrichten, irgendwie kam es dazu, dass der deutsche Gruß als erster vorgetragen wurde...wer da wohl schuld daran war :D??
Da die mitgebrachten Viejos aber nicht alle nur mit Pappmachée gefüllt waren, sondern auch teilweise mit Feuerwerkskörpern, die dann wild in die Menge schießen, habe ich mir gleich mein erstes Andenken an 2015 geholt. Mich traf eine dieser gemeingefährlichen Raketen und hat mir eine kleine Narbe auf meinen wunderschönen Rücken gezaubert :D Soraya kam auch nicht ungeschoren davon, wobei sie zum Trost Fidels Hand im Feuer fand :)
Um 2 Uhr morgens wurde das neue Jahr dann aus unserer Sicht gebührend begrüßt, also gingen wir nach Hause und wollten zur ersten Mahlzeit des Jahres Bohnen mit Speck aus der Dose aufwärmen...so sehr wurde ich aber dann doch nicht vom Glück verfolgt, sodass ich die Bohnen leicht anbrennen ließ während Soraya duschte. Ich weiß also schon, dass bei meinen Kochkünsten auch im Jahr 2015 noch Luft nach oben bleibt :D!!
Damit kommen wir gleich zum A
ño Nuevo, dem Neujahrstag! Während wir also in der Nacht nicht gerade kulinarisch verwöhnt wurden, trafen wir uns am nächsten Tag mit allen Tanten wieder im Haus der Oma. Bevor es aber soweit kam, statteten Soraya und ich der Feria Libre einen Besuch ab - die arbeiten hier sogar an Neujahr!! Dort kauften wir Krabben, damit Maribel für alle ein superleckeres Ceviche machen konnte. Alle leicht erschöpft und vielleicht auch leicht verkatert von der vergangenen Nacht erfreuten sich daher umso mehr an dieser erfrischenden kalten Meeresfrüchte-Suppe. So kann das Jahr weitergehen :)!

Ich wünsche euch allen von Herzen auch ein gutes neues Jahr und denkt dran, bald habt ihr mich dann auch schon wieder :P!


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