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Mittwoch, 20. Mai 2015

Mein ecuadorianischer Geburtstag

Die Ecuadorianer haben ja eine ganz nette Art ihre Geburtstagskinder aufzuwecken :D! Das Geburtstagsständchen ist natürlich Pflicht, aber das wurde bei mir mit Topf-Percussion untermalt...dafür kam ich also gleich ruck-zuck aus dem Bett :D
Morgens hatte ich zum Glück frei und konnte meinen Geburtstag etwas genießen und ruhig angehen, denn mit 19 Jahren gehört man ja jetzt zu den Alten :D!!

Natürlich gab es zu meinem Geburtstag eine echte Leckerei zum Mittagessen: unsere berühmte Pizza aus der Pfanne - in Ermangelung eines Ofens :D Besonders hat mich außerdem ein Geschenk aus Deutschland gefreut - Danke, Nessi <3
Dann ging's ab in die Fundación zum Arbeiten, aber bei so einem lieben Team gab es nach getaner Arbeit einen Kaffee mit leckeren Sandwiches *-* Im Kreis meiner Arbeitskollegen meinen Geburtstag zu feiern, war echt schön, da ich meine Kollegen echt gern hab :)! Als keines Geschenk bekam ich dann Schokoladen :D Das hat mich gleich doppelt gefreut, da meine extra aus Deutschland mitgebrachten Schokoladen wahrscheinlich unsere Haushälterin mitgehen lassen hat :P
Abends kam dann noch Maribel mit zu mir nach Hause, wo wir einen weiteren Kaffee miteinander tranken und dazu gab es eine SACHER-TORTE *-*!!
Als Erinnerung an Ecuador schenkte mir Soraya wunderschöne, silberne Kolibri-Ohrringe, die einer von den Lazos anfertigt! Ich hatte also mal einen ganz anderen - eben ecuadorianischen - 19. Geburtstag im Kreise der Familie und mit vielen Leckereien :) Schade, dass nicht jeder Tag Geburtstag ist :D!!



Freitag, 10. April 2015

Kulturtreffen - der Besuch meiner Familie

Am 24. März kam mich meine Familie besuchen. Ich hab mich riesig gefreut sie nach 7 Monaten endlich mal wiederzusehen! Auf meine Aufregung kann man wahrscheinlich sogar meine Darminfektion zurückführen... Ich hatte mich in der letzten Zeit viel mit unserer Route beschäftigt, um alles super durchzuorganisieren, damit meine Familie sich auch in mein wunderschönes Ecuador verliebt. Für das Kulturtreffen hatte ich diese Stationen zusammengestellt: Meine Familie würde in der Hauptstadt Quito abends ankommen, am nächsten morgen wollte ich sie dort mit meiner vorzeitigen Ankunft überraschen und dann mit ihnen die Stadt erkunden. Die nächsten zwei Tage standen Tagesausflüge von Quito zu Mitad del Mundo (Mitte der Welt - Äquator) und Otavalo (traditioneller Markt) an. Dann wollten wir uns nach Baños zum Tor zum Dschungel aufmachen, um dort zwei Tage verbringen bevor wir uns
Unsere geplante Reiseroute mit optimistischer Gesamtfahrzeit :)
richtig in den Dschungel nach Puyo wagen wollten. Nach zwei Tagen im Grünen sollte es wieder zurück in die Sierra (Gebirge) gehen nach Riobamba, wo wir mit einem der ältesten und einzigen Zug Ecuadors - natürlich heute nur zu touristischen Zwecken - die Teufelsnase erkunden wollten. Nachdem auch das absolviert wäre, würden wir am Karfreitag, dem wichtigen Ostertags hier, endlich in Cuenca ankommen und dort gleich mit der Gastfamilie feiern. Anschließend wollte meine Familie noch knapp eine Woche bis Donnerstag Morgen mit mir in Cuenca verbringen und verschiedene Tagesausflüge machen. Die Küste würden meine Eltern wohl leider nicht sehen...

Damit das jetzt kein ewig langer Eintrag wird, werde ich die unterschiedlichen Stopps in einzelnen Einträgen behandeln. In diesem Eintrag werde ich mich eher auf den Gesamteindruck von meinem Familienbesuch beschränken.
Es ist nämlich gar nicht so einfach seiner Familie seine neue Heimat ans Herz zu legen. Um das ganze mal auf einen Nenner zu bringen: Mein Ecuador ist halt eben doch ein Entwicklungsland und meine Familie keine Abenteurer. So kam es, dass ihnen Quito absolut gar nicht gefiel. Ich würde da mal einen Kulturschock diagnostizieren. Dadurch dass Quito keine traditionell-ecuadorianische Stadt ist und man klar westliche Einflüsse entdecken kann, neigt man als Neuankömmling wohl eher dazu sich an dem Bekannten festzuklammern und diese als Inseln zwischen Dreck, Unordnung, Lärm und Unsicherheit zu suchen. Ich hatte ja das Glück, mich schon einen Monat im ganz typisch-ecuadorianischen Cuenca an diese Umstände gewöhnen zu können, bevor ich Quito kennenlernte und dort dann die "westlichen Inseln" eher als mal willkommene Abwechslung wahrnahm.
Meine Familie im Dschungel, Alausí, Quito und Cuenca
Spätestens dann aber im Dschungel - war auch gar nicht anders zu erwarten - machte sich dann bei meiner Familie anstatt dem Kulturschock auch die Begeisterung für mein einzigartiges Land breit :D Da war ich ziemlich erleichtert!! Alausí, der Ausgangspunkt der Zugfahrt zur Teufelsnase, gefiel vorallem meiner Mama mit seinem Charme eines kleinen Sierra-Dorfes und Cuenca, als Endpunkt der Reise und meine aktuelle Heimat war für uns alle das i-Tüpfelchen auf dem "i" :) Mit dem "Athen Ecuadors" als Heimatstadt habe ich wirklich total viel Glück gehabt und das konnte ich meinen Eltern auch so weitergeben :)!
Als ich meine Familie dann am Donnerstag Morgen am Flughafen wieder verabschieden musste, war die Trauer natürlich groß! Auch wenn mich die Verantwortung, für meine Familie als Reiseleiterin zu funktionieren, etwas gestresst hatte und ich teilweise mit mir nicht ganz zufrieden war, überwog natürlich die Freude für 2 1/2 Wochen wieder mit meiner Familie vereint gewesen zu sein. Daher war die Traurigkeit auch so groß, sie nach so kurzer Zeit wieder gehen lassen zu müssen. Aber wir sehen uns ja in gut 4 Monaten in meiner bayerischen Heimat wieder :)



Sonntag, 22. Februar 2015

Ein lachendes und ein weinendes Auge - Halbzeit!

Ich kann es kaum glauben, auf der Datumsanzeige steht der 22. Februar 2015, sechs Kalenderblätter von Marias Geschenk sind umgeblättert und auch die Hälfte meines Reisetagebuches von Sophia ist erreicht. Ich habe vieles erlebt, aber noch so viel vor - eins steht aber unweigerlich fest: es ist Halbzeit. Aufgrund unseres Rückfluges schon am 18. August, ist die meiste Zeit also wirklich rum. 184 Tage habe ich bereits in diesem wunderbaren Land verbracht und mir kommt es längst nicht so lange vor.
In dieser Zeit wurde ich von zuvor unbekannten Krankheiten und Parasiten heimgesucht, hab mir also meine Haare abgeschnitten, mir wurde mein Handy geklaut, ich habe mehr oder weniger wöchentlich meine Wäsche mit der Hand gewaschen und fast täglich mit meinem Laptop gekämpft, bis er mir am Mittwoch den Schock des Lebens eingejagt hat und ich ihn schon für tot erklärt hatte.

ABER: In dieser Zeit habe ich auch neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen, ich bin an meinen Aufgaben gewachsen, sei es mit der Arbeit in der Fundación oder mit den täglichen Hürden einer anderen Sprache, ich bin an verschiedenste Ort gereist, habe andere Feste gefeiert und eine neue Familie gefunden.
Ich habe ein Land kennengelernt mit seinen Höhen und Tiefen. Dort habe ich Wurzeln geschlagen. In meinem Ecuador. Ein Teil von meinem Leben.

Auf der einen Seite bin ich traurig, dass über die Hälfte meines Aufenthaltes schon vorbei ist, aber wenn ich sehe, was ich in den letzten sechs Monaten so erlebt habe, ist da doch noch einiges drin, oder :)?
Um diese Marke zu feiern und vor allem um mich abzulenken, damit ich nicht in Traurigkeit verfalle, habe ich heute nach erfolgreicher und überglücklicher Wiederbelebung meines Laptops Käsespätzle für meine Familie gekocht. Anscheinend erlerne ich noch im Ausland nach deutscher Art zu kochen :D!
Heute am eigentlichen Jubiläumstag fahre ich mit Kathrin in das Lederdorf Gualaceo und zum Ausklang geht es nach Banos de Cuenca in einen "Wellness-Tempel", mein Geburtstagsgeschenk an Kathrin. Man muss ja auch mal genießen ;)!
Zum Halbjährigen gibt es auch wieder einen Bericht: Hier geht's lang!
Macht euch also um mich keine Sorgen und bereitet euch schon darauf vor, dass ihr die längste Zeit eure Ruhe vor mir gehabt hattet :D!

Freitag, 2. Januar 2015

Wir verbrennen das alte Jahr :)!

Mit großen Schritten ging es nun auf Silvester los! Montag und Dienstag arbeitete ich noch, daher begannen wir erst am 31. Dezember mit dem Jahresputz, der so schnell aber noch nicht abgeschlossen sein sollte :D Abends besuchten wir noch die Oma und Jorge, um ihnen einen guten Rutsch zu wünschen. Eigentlich feiert man hier Silvester auch in der Familie, aber Maribel feierte mit Fausto und der Oma war auch nicht nach großer Familienfete. Also blieb zwar Tanya mit Juanito bei ihnen über Nacht, aber ohne groß zu feiern. Soraya und ich organisierten uns also spontan ein supergeniales Silvester :D
Viejo basteln, verbrennen und darauf anstoßen ;)
Die erste Etappe wurde bei der Oma bestritten. Tanya, Juanito und ich bastelten ganz traditionell einen Viejo, der das alte Jahr (Año Viejo) repräsentiert und eigentlich erst um Mitternacht verbrannt wird. Bei dem Verbrennen steht aber nicht nur der Abschluss des alten Jahres im Vordergrund, oft wird damit auch eine Person in Verbindung gebracht, der Viejo bekommt also deren Namen. Diese Person hat sich zum Beispiel etwas im vergangenen Jahr geleistet oder man möchte ihr einfach für das kommende Jahr viel Glück wünschen. So kam es, dass wir Karin verbrannten :D
Mit unserem Feuermeister Juanito trugen wir also dann schon um 21 Uhr den Viejo bzw. bei uns ja dann Vieja auf die Straße zum Anzünden und stießen auf 2014/2015 an :)
Für Soraya und mich ging es dann auch schon weiter, aber aufgrund von schon nicht mehr verkehrenden Bussen liefen wir den einstündigen Weg von der Ciudadela Calderón bis nach María Auxiliadora an der Avenida de las Americas entlang. Währenddessen hatten wir genug Zeit, das Jahr zu analysieren und kamen auf ganz andere Rückblicke. Während für Soraya 2014 mit dem Auszug von Karin eins der schwersten Jahre war, meine ich, dass 2014 "MEIN JAHR" war. Die ganze Abizeit, mein 18.er, die Zeit danach mit Freunden, Reisen, Feiern und Weltmeisterschaft und schließlich mein FSJ in Ecuador sind nur einige Höhepunkte :)
Die Heulsusen
Aber davon abgesehen sind wir auch so einigen lustigen Gestalten begegnet... Jungs als Llorona verkleidet, Heulsusen, die dem alten Jahr hinterher heulen :D
 Zurück Zuhause wurde der nächste Schlachtzug vorbereitet. Wir füllten den altbekannten Tetrapak-Küchenwein in meine etwas unscheinbarere Sigg-Flasche um, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier in Ecuador eigentlich verboten. Mit unserer umfunktionierten Flasche ging es dann auf Streifzug in die Stadt, auf der Suche nach interessanten Leuten zum Anstoßen. Cuenca schien in dieser Nacht ziemlich von Ausländern besetzt. Die Cuencaner waren ja auch daheim am Feiern mit der Familie ;) So stießen wir mit einem Amerikaner an, trafen einen nicht-trinkenden Schweizer und noch einige andere.

Das war uns aber noch nicht genug und so setzten wir uns zum Ziel in dieser Nacht alle vier Elemente antreffen zu wollen. So fand ich mich nach kurzer Zeit am Río Tomebamba wieder, wo ich endgültig von Soraya auf Lady Laura getauft wurde, damit auch ich das ecuadorianische Kriterium der zwei Vornamen erfülle. Zur Erklärung: Lady Laura kommt von einem schon etwas älteren Lied, mit dem eine Hymne auf die Mutter Lady Laura gesungen wird.
 
Nach der überstandenen Taufe ging es dann weiter und langsam auf die 12 Uhr zu. So fanden wir uns bei einer Straßenparty ein, zu der ein übergroßer Obama mit Pferdelächeln und ein Fidel mit Affen-Segelohren in Freundschaftsketten einluden. Viejos werden nicht nur allein verbrannt, lauter begeisterte Ausländer hatten sich damit ausgestattet und schichteten ihre Trophäen zu einem mittelgroßen Haufen auf. Dieser wurde dann natürlich von Obama und Fidel bethront und pünktlich um 00 Uhr des neuen Jahres in Flammen gelegt.
Um im nächsten Jahr nicht weniger vom Glück verfolgt zu werden sprang ich dann auch dreimal über dieses Feuer drüber, immer in guter Gesellschaft von anderen Glückssüchtigen ;) Außerdem durften die unterschiedlichen Nationen gerne am Mikrofon ihre Grüße in eigener Landessprache ausrichten, irgendwie kam es dazu, dass der deutsche Gruß als erster vorgetragen wurde...wer da wohl schuld daran war :D??
Da die mitgebrachten Viejos aber nicht alle nur mit Pappmachée gefüllt waren, sondern auch teilweise mit Feuerwerkskörpern, die dann wild in die Menge schießen, habe ich mir gleich mein erstes Andenken an 2015 geholt. Mich traf eine dieser gemeingefährlichen Raketen und hat mir eine kleine Narbe auf meinen wunderschönen Rücken gezaubert :D Soraya kam auch nicht ungeschoren davon, wobei sie zum Trost Fidels Hand im Feuer fand :)
Um 2 Uhr morgens wurde das neue Jahr dann aus unserer Sicht gebührend begrüßt, also gingen wir nach Hause und wollten zur ersten Mahlzeit des Jahres Bohnen mit Speck aus der Dose aufwärmen...so sehr wurde ich aber dann doch nicht vom Glück verfolgt, sodass ich die Bohnen leicht anbrennen ließ während Soraya duschte. Ich weiß also schon, dass bei meinen Kochkünsten auch im Jahr 2015 noch Luft nach oben bleibt :D!!
Damit kommen wir gleich zum A
ño Nuevo, dem Neujahrstag! Während wir also in der Nacht nicht gerade kulinarisch verwöhnt wurden, trafen wir uns am nächsten Tag mit allen Tanten wieder im Haus der Oma. Bevor es aber soweit kam, statteten Soraya und ich der Feria Libre einen Besuch ab - die arbeiten hier sogar an Neujahr!! Dort kauften wir Krabben, damit Maribel für alle ein superleckeres Ceviche machen konnte. Alle leicht erschöpft und vielleicht auch leicht verkatert von der vergangenen Nacht erfreuten sich daher umso mehr an dieser erfrischenden kalten Meeresfrüchte-Suppe. So kann das Jahr weitergehen :)!

Ich wünsche euch allen von Herzen auch ein gutes neues Jahr und denkt dran, bald habt ihr mich dann auch schon wieder :P!


Freitag, 26. Dezember 2014

Ecuadorianische Weihnachten mit dem dazugehörigen Weihnachtsstress :D

Unserer kleines Weihnachtsessen im Team
Hier kommt jetzt die von vielen schon erwartete Beschreibung meines ganz anderen, aber dennoch sehr schönen Weihnachtsfests.
Erstmal hab ich am 24. noch bis Mittag gearbeitet und nicht wie sonst schon Ferien gehabt. Wobei man das Ganze auch nicht wirklich arbeiten nennen kann, da die Kinder nur zum Essen in den Comedor gekommen sind und wir daher eine Art Weihnachtsfeier für das Team veranstaltet haben. Maribel hat wieder ihre Kochkünste ausgepackt und uns mit leckerem Ceviche (kalte Küstensuppe mit Meeresfrüchten) und süßem Fettgebäck verwöhnt. Danach haben sich alle mit ihren Weihnachtsgeschenkkörben verabschiedet, wobei Kathrin und ich eine traditionelle Bluse geschenkt bekommen haben (das finde ich ja wesentlich besser als einen Korb voll mit nützlichen Kochutensilien :D ).

Nachmittags bin ich dann noch zum Umzug des Niño Viajero geradelt. Nachdem ich morgens schon an den geschmückten bzw mit Tischdecken verhangenen Autos und Wagen vorbeigeradelt bin, die meinen Arbeitsweg verstopft haben, wollte ich mir das Spektakel natürlich ansehen. Die Parade geht mitten durch die Stadt am Parque Calderon vorbei - Verkehrschaos vorprogrammiert !! Denn wenn die Prozedur von morgens 10 bis nachmittags 16 Uhr angesetzt ist, aber um 15 Uhr sich manche Wagen immer noch keinen Zentimeter bewegt haben, kann man sich die Ausmaße des Umzuges etwa vorstellen. Ich hab dieses Riesenevent dann bei strahlendem Sonnenschein mit Frozen Moccachino einfach nur genießen dürfen :D.
Nacimiento (Krippe), volles Wohnzimmer, Kinder
bzw die, die sich dafür halten mit Niñito

Abends haben wir uns eigentlich um 20 Uhr mit der Großfamilie zur Messe treffen wollen...aber naja, da ist uns mal wieder die ecuadorianische Verspätung dazwischengekommen und das Hindernis, dass irgendwie alle Leute am Heilig Abend genau um Viertel nach acht ein Taxi brauchten :D Wir kamen dann doch noch "pünktlich" zum Evangelium in der Kirche an ;) Danach ging es zum Haus der Oma, wo nach und nach die anderen gut 50 teilnehmenden Familienmitglieder eintrudelten. Also erstmal alle begrüßen und unterhalten...Das ging dann bis Mitternacht, denn um Punkt 24 Uhr brachten die Jüngsten der Familie, vier Kinder bis maximal acht Jahre, den Niñito, das Jesuskind, mit Blumen und Kerzen herunter ins Wohnzimmer bzw Saal. Dort wurde das Jesuskindlein mit weihnachtlichem Gesang empfangen und danach haben sich alle zum Weihnachtsgruß umarmt, das kann bei 54 Leuten schon mal dauern :D Anschließend ging es rüber ins Haus des Bruders der Oma zum Essen...es gab Caldo de Pollo (Hühnersuppe) mit Tamales (ecuadorianische evtl sogar cuencanische Spezialität). Gegessen wurde in drei Räumen und in Schichten...wer kann schon so viele Leute auf einen Schlag sättigen ;) ? Danach wurde weiter Konversation betrieben bis wir um drei Uhr als ziemlich die Letzten die Veranstaltung beendeten.  
Das Rosero-Ereignis
Am 1. Weihnachtsfeiertag traf sich dann nochmal die ganze Familie und diesmal sogar fast alle 70 Angehörige zum Rosero trinken. Der Rosero ist eine spezielle Bowle, die aus Gualaceo kommt, wo auch der Familienursprung liegt. Derjenige, der dieses zwar wirklich leckere Getränk erfunden hat, hatte aber definitiv zu viel Zeit bzw Langeweile :D Soraya, meine Gastmutter, steuert diesen nämlich jedes Jahr zum Fest bei und wenn wir für zwölf Liter für zehn Personen schon sechs Stunden beschäftigt sind, dann kann man sich das Ganze jetzt mal für 70 Personen vorstellen :D Das Ganze wird dann letztendlich kantinenmäßig verteilt und mit einem trockenen Kuchen eingenommen, sodass nach einer Viertelstunde von der mehrstündigen Arbeit nichts mehr zu sehen ist außer schmutzige Gläser und leere Töpfe :D Wahrscheinlich deswegen ging die zweite Reunión auch nur bis um acht Uhr abends ;)
Heute am 2. Weihnachtsfeiertag ist die Sache mit Weihnachten eigentlich schon wieder rum. Manche Leute arbeiten auch schon wieder, da kein gesetzlicher Feiertag festgelegt ist. Wir hatten aber zum Glück noch frei, da wir ja letzten Sonntag den ganzen Tag an der Weihnachtsfeier für die Familien der Fundación gearbeitet haben :)

Jetzt geht es dann mit großen Schritten auf Silvester zu...mal gucken, was da dann ansteht um mein wunderbares Jahr 2014 auch gebührend zu verabschieden :D

Montag, 3. November 2014

Familienglück

Nach schon über zwei Monaten hier möchte ich euch etwas über meine Gastfamilie und meinen Alltag hier erzählen! Ist ja nicht so, dass ich die ganze Zeit auf Reisen bin :D Der deutlich überwiegende Teil meines Aufenthaltes hier ist ja mein tägliches Arbeits- und Familienleben hier im wunderschönen Cuenca :D
Ich wohne - wie ich euch schon mal erzählt habe - im historischen Zentrum Cuencas (hier findet ihr eine Karte mit meinem Haus ;) ). Wir wohnen hier mit meiner Gastmutter, Gasttante und meinem Gastcousin, der eher wie mein Gastbruder ist, da der fast den ganzen Tag bei uns herumspringt :D
Mein ecuadorianisches Zuhause
(mein Zimmer ist das Fenster über dem Friseur)

Ich hab ein eigenes Zimmer, was zwar keine richtige Wand hat, da das nachträglich anstatt des Wohnzimmers eingerichtet wurde. Meine Holzwand ist aber schon mit Skiurlaub-Bildern, einer Ecuador-Karte und Zitaten von mir aufgehübscht worden ;) In meinem Zimmer steht natürlich mein Bett, was sogar etwas größer als das daheim ist, ein Wäschekorb, der auch gleichzeitig als Nachttisch genutzt wird, ein Schreibtisch und ein Regal. Der Schreibtisch ist eigentlich die ganze Zeit von meinem Laptop und meinen Spanisch-Hausaufgaben belegt. An der Ordentlichkeitssituation hat sich also im Vergleich zu daheim nichts geändert :D Außerdem hat noch Marias Fotokalender einen festen Platz, der mich an unsere verrückte Zeit in Amsterdam, Hamburg und nach dem Abi erinnert, aber mir leider auch immer wieder zeigt, wie schnell die Zeit vergeht und wie schnell wieder umgeblättert wird. Mein Regal ist auch nicht gerade groß, aber - fragt mich nicht wie - ich habe alle meine Kleidungsstücke und anderen Kram u.a. meine Querflötennoten untergebracht. Meine Querflöte hat sich währenddessen auf meinem Koffer breitgemacht, der als praktischer Aufbewahrungsschrank z.B. für die mitgebrachten Medikamente mit einer Zimmerpflanze auch noch den Weg in mein Zimmer gefunden hat :D Das war denn schon alles...ein Studentenwohnheim wird also keine riesige Umstellung werden ;)
Unsere Wohnung hat dann noch eine große Küche - natürlich, wie sollte es anders sein - der Gemeinschaftsraum und Treffpunkt mit Wohnzimmer für alle. Neben meinem Zimmer ist das Zimmer meiner Gastmutter mit Fernseher. Hier ist es nämlich äußerst untypisch den Fernseher im Wohnzimmer zu haben. Meistens hat man einen seperaten Fernsehraum oder wie bei uns das Gerät in einem Zimmer untergebracht. Dann gibt es da noch Karins Zimmer mit Bad, was eigentlich nur hin und wieder am Wochenende von ihr oder jetzt schon zum zweiten Mal von Gästen bewohnt wird. Soraya und ich teilen uns das andere Bad. Apropos Bad...nach über einem Monat hat man mir dann doch mal gesagt, dass unser Bad kein normales bzw für hier ja schon ist, sprich: das Klopapier kommt in einen Eimer neben das Klo und wird nicht heruntergespült...der Wasserdruck ist zu niedrig.
Das ist unsere Wohnung im ersten Stock :)! Nebenan befindet sich Tanyas und Juans Wohnung, also die der Tante. Im Erdgeschoss befindet sich dann neben der Garage, die eigentlich nie genutzt wird, wir haben ja kein Auto, ein noch nicht fertig gestelltes Zimmer evtl. zum Vermieten oder für andere Familienmitglieder. Die "Dachterrasse" habt ihr ja schon im ALS-Icebucketchallenge-Video gesehen. Eigentlich ist das auch keine Dachterrasse sondern der Platz für die dritte geplante Wohnung. Die wird aber erst gebaut, wenn der Kredit der anderen beiden gedeckt ist, also vorraussichtlich nicht in diesem Jahr. Währenddessen ist das Maffis Spielplatz - das ist die Hündin von Tanya - und wir waschen und trocknen unsere Wäsche dort.
Das zum Thema Haus :D
Jetzt geht's zum sentimentaleren Teil über: meiner Gastfamilie :)
Ich muss echt sagen, dass ich ein Wahnsinnsglück mit meiner Familie habe! Ich fühle mich pudelwohl! Ihr braucht euch also keine Sorgen um mich machen ;)

Meine Gastmutter Soraya bekocht mich immer köstlich mit zur Zeit überwiegend typischen Gerichten, da sie gleichzeitig auch ihre Mutter und deren Bruder verpflegt und die absolute Reisesser sind. Aber an den Reis hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Es bleibt einem ja kaum etwas anderes übrig, wenn man mittags in der Fundación und abends daheim Reis zu essen bekommt :D
Dieses Wochenende habe ich mir von Soraya das Stricken (wieder) beibringen lassen und mein Loopschal ist schon fast fertig :)
Juanito - also eigentlich Juan, aber hier wird alles mit -ito/-ita verniedlicht :D - ist mein kleiner etwas aufgedrehter neunjähriger Bruder. Zusammen gucken wir manchmal Filme an oder machen meistens Schmarrn zusammen :) Manchen ist er ja schon bekannt, nachdem er letzte Woche mein Handy gesperrt hatte, aber jetzt ist ja alles wieder in Ordnung :)
Taubenfütterung
Meine Gastschwester Karin besucht uns ja zur Zeit wieder eher weniger bzw verpassen wir uns auch oft. Karin war jetzt schon zweimal bei uns, als ich unterwegs in Baños oder Quito war :D Wenn sie aber dann da ist, haben wir auch immer viel Spaß zusammen. Ein besonderes Erlebnis war z.B. das Taubenfüttern auf dem Plaza de las Palomas (Platz der Tauben). Meine Mama bezeichnet Tauben immer als fliegende Ratten und Ratten kann sie erst recht nicht leiden...anscheinend färbt das ab...denn ich konnte mich kaum beherrschen, wenn eine Taube sich meiner Hand näherte, das sorgte für viel Spaß, während Karin ja fast anfing mit den Tauben zu kuscheln :D
Tanya, meine Gasttante ist auch ein echter Engel! Dieses Wochenende war Soraya fast die ganze Zeit bei meiner Gastoma und ich war so mit Skypen beschäftigt, dann hat sie mir einfach Mittagessen mitgekocht und rübergebracht :)

Meine Gastoma ist auch total lieb. Wenn ich sonntags daheim bin, komme ich immer mit die Oma besuchen :)
Dann gibt es noch die andere Tante Maribel, die in der Fundación als Psychologin arbeitet, also die Verbindung darstellt. Maribel hat letztens die ganze Familie mit Nogiches und mit Mango-Saft versorgt :D Nogiches sind ihre selbst kreierten Pralinen mit Nogal-Nussstücken, das ist eine typische Nuss der Gegend um Cuenca. Hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einer Walnuss, nur ist sie ganz schwarz und muss mit Steinen geschlagen werden, da sie so hart ist.
Mit ihrem blinden Mann Fausto, auch sehr freundlich und an Deutschland interessiert, haben sie den 21-jährigen Sebastián, auch Juan-Se oder Sebas genannt.
Und damit geht's fließend zu Familienfeiern über :D Juan-Se hatte nämlich ziemlich am Anfang meines Aufenthalts hier seinen 21. Geburtstag. In Deutschland würden die meisten wahrscheinlich mehr oder weniger groß mit Freunden feiern. Hier in Ecuador wird die ganze Familie zum Fest eingeladen. Das sind also Großeltern, alle Tanten und Onkel inklusive Familie. Wir waren also locker so 20 Personen, die dann alle von Maribel zu Mittag bekocht wurden. Man unterhielt sich und irgendwann am Nachmittag gingen wir Jugendlichen dann hoch auf den Dachboden um Karten und Monopoly zu spielen. Zu Abend wurde dann Kaffee mit Sandwiches zusammen gegessen und richtig zu Ende war die Feier erst zwischen 10 und 12 Uhr nachts :).
Maribels Geburtstag ein paar Tage später wurde dann etwas kleiner gefeiert, da die Oma schon genug mit dem herumkutschieren an Juan-Ses Geburtstag belastet worden war. Also trafen wir uns nur im Haus der Oma mit den drei Schwestern und Familien zum gemütlichen Kaffeetrinken und Unterhalten.
Vor etwa vier Wochen war dann diese Gruppe bei einem anderen Familienteil eingeladen und Soraya wurde gebeten Rosero zum Trinken mitzubringen. Ich erklärte mich dazu bereit, ihr bei der Zubereitung zu helfen. Da wusste ich aber nicht auf was ich mich einließ :D Wir waren bestimmt eine Stunde auf dem Markt unterwegs um die sieben Früchte und den weißen Mais einzukaufen, letztendlich konnten wir eine der Früchte nicht finden, also musste darauf verzichtet werden und danach kochten wir sechs Stunden, den ganzen Abend, an dem Rosero...!! Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, diese Art Früchtebowle war echt köstlich und wir hatten gleich 12 Liter davon! An Weihnachten dürfen wir aber auch wieder kochen und dann gleich an die 70 Liter :O.
Es wird hier also viel mit der Familie erlebt und auch bei einem Wiedersehenstreffen der ehemaligen Jugendgruppe von Soraya haben die alle ihre Familie, also zum Teil 21/24-jährige Söhne mitgenommen.
Als ich auch letztens mit Soraya gesprochen habe, hat sie mir zu dem Thema erzählt, dass man hier auch  zuerst seine Geschwister in schwierigen Lebenslagen konsultiert und erst anschließend die engen Freunde. Das ist ja in Deutschland ziemlich anders, zumindest wie ich das bis jetzt so miterlebt hab.
Das war jetzt erstmal einiges zu meiner Familie, damit ihr euch das etwas vorstellen könnt :)!
Besitos nach Deutschland :)!


Soraya, Karin und ich beim Schmarrnmachen