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Montag, 1. Juni 2015

Yasuní - die beste Belohnung nach dem C2-Examen!

Nachdem man auf dem Día weltwärts (weltärts-Tag) im Oktober in Quito durch einen Vortrag über den besonderen Nationalpark Yasuní im Regenwald eine Gruppe Freiwillige für eine Reise dorthin begeistert hatte, stand dann in der letzten Maiwoche auch die vorher so fern erschienene Reise an :) Diese Reise war gleichzeitig auch die Belohnung nach der lernintensiven Vorbereitungsphase auf unser Examen.
Während und nach dem Examen :)
Unser C2-Examen legten wir endlich am 23. Mai in Quito ab. Die Sprachschule, bei der wir das Examen ablegten, lag gleich neben dem Casa Humboldt, einem Haus für deutsche Kulturveranstaltungen. Wenn das mal nicht ein Zeichen ist :D! Zumindest fühlten wir uns sofort wohl! Der erste Teil bestehend aus Multiple-Choice-Aufgaben verlief sogar besser als erwartet, im zweiten Teil stand Textproduktion mit auditiven und visualen Quellen an - der lief so wie immer - und der letzte, mündliche Teil war der schwierigste Part für mich, da mich mündliche Prüfungen immer so krass nervös machen. Zwischen den unterschiedlichen Prüfungen hatten wir immer eine kleine Pause: in der ersten, kurzen Pause gab es einen Snack im Humboldt-Haus und die zweite, einstündige Pause nutzten wir zum Mittagessen. Nach überstandenem Examen und überstandenem Tag war ich aber erstmal super froh, endlich keinen Lernstress mehr zu haben oder dieses doofe Gefühl "Laura, nicht im Internet surfen, du SOLLTEST jetzt eigentlich lernen!" :D! Ich fühlte mich so befreit und glücklich...egal ob die Ergebnisse in 2 oder 3 Monaten "Bestanden" oder eben nicht lauten werden!
Den Sonntag verbrachten wir dann noch in Quito und trafen uns mit Kathrins ehemaliger Klassenkameradin Katja, die aktuell in Chile ihren weltwärts-Freiwilligendienst absolviert. Und stellt euch mal vor, was herauskam, als wir mit ihr in einem Café über ihr Projekt redeten? Katja wurde von "Cristo Vive" nach Chile entsendet - genau bei der Organistation hatte ich auch einen weltwärts-Platz angeboten bekommen! Wir wären also beinahe Kolleginnen geworden, wenn ich nicht zu bezev gewechselt wäre...wie klein die Welt doch irgendwie ist :D
Sonntag abends machten wir uns also dann mit dem Bus auf nach Coca - oder auch Puerto Francisco de Orellana - und kamen dort unerwartet früh um 3 Uhr morgens am Terminal an, da wir von einer falschen Reisezeit ausgegangen waren :D Also legten wir uns am Terminal noch 2 1/2 Stunden auf eine Bank schlafen, bis uns um halb 6 Uhr ein Sicherheitsmann aufweckte. Dieser weckte alle schlafenden Reisenden auf...möglicherweise, damit das Terminal nicht als Penner-Zufluchtsstätte aussieht :D!
Von Coca (Francisco de Orellana) ca. 300km nach Yasuní
Kaum dass wir also geweckt wurden, trafen wir auch schon zufällig auf Hanna und Lilo. Die beiden Mädels hatten wir schon auf dem Zwischenseminar in El Limonal kennengelernt und bemerkt, dass wir uns auf der Yasuní-Fahrt wiedersehen würden. Zusammen frühstückten wir im Terminal erstmal, bevor wir uns von einem Taxi zur Promenade bringen ließen. Coca hat eine Promenade, da der Fluss Napo direkt an der Stadt vorbeifließt und auch die Hauptverkehrsstraße darstellt für alle, die weiter in den Dschungel hineinwollen - wie wir!
Boot, Museum und Riesen-Cuy mit Hanna, Kathrin und Lilo
Dort trafen wir dann auf unseren Führer, Fredericke, die den Yasuní-Vortrag auf dem Día weltwärts gehalten hatte, und die anderen Freiwilligen, die alle von Experiment e.V. waren. Wir beluden ein mittelgroßes Boot mit unserem Gepäck und einigen Vorräten und dann ging es los...etwa 300 km den ganzen ecuadorianischen Napo herunter! Pause legten wir nur ein, um ein von einer Comunidad geführtes Museum über die Unterwasserwelt des Napos zu besichtigen und um zu Mittag zu essen. Wo wir zu Mittag aßen, war ein ganz besonderes Fleckchen :D Auf einmal zwischen der ganzen grünen Dschungel-Vegetation tauchte das Restaurant auf mit einer Tienda (Tante-Emma-Laden) nebendran! Außerdem machten wir während des Essens Bekannschaft mit einem Riesen-Meerschwein!
Ankunft in Sacha Nambi mit Zeltbeziehen
Um 17 Uhr nach etwa 8 Stunden Bootsfahrt kamen wir dann im Tourismus-Projekt "Sacha Ñambi" an. Das Projekt wird von einer Comunidad geleitet und bietet Unterkunft, Verpflegung und in Kooperation mit anderen Comunidades Touren an. Wir Rucksack-Tourismus gewöhnten Freiwilligen waren richtig überrascht von soviel Luxus dort! Jeder hatte sein eigenes Zelt im Gästehaus, nix mit ökologischem Klo - es gab schöne Toiletten und Duschen und der Speisesaal sah mit dem Baldachin als Mückenschutz richtig märchenhaft aus! Bevor wir allerdings zu Abend aßen, ging es erst noch auf Nacht-Entdeckungstour in den Wald - Tarantula & Co. hießen uns Willkommen!Am nächsten Tag ging es dann direkt in den Nationalpark Yasuní! Dafür mussten wir nochmal eine halbe Stunde flussabwärts an Nueva Rocafuerte, der letzten ecuadorianischen Stadt vor der peruanischen Grenze vorbei und bogen dann in den Fluss Yasuní ein. Dieser hatte ein Kaffee-farbiges Wasser, ein Nebenarm, dem wir lange Zeit folgten führte dagegen fast schwarzes Wasser - dort wurde von "tinto", also wie purem Kaffee gesprochen. Bei diesem Ausflug konnten wir neben den unterschiedlichsten Pflanzen eine Art Urzeitvögel, Tukane, aus der Ferne Affen und sogar Süßwasser-Delfine beobachten - wunderbar! Auf dem Rückweg schauten wir dann noch einen riesiegen Urwaldbaum an und betraten auch schon mal probeweise Peru :D
Abends in der Comunidad wurde uns dann gezeigt, wie man das typische Gericht Maitu zubereitet: ein Fisch in Blatt eingewickelt und gedünstet, welcher nachher mit Yuca (ähnlich wie Kartoffel) serviert wird. Wo wir dann auch schon mal bei der Yuca waren, bereiteten wir auch gleich die Chicha de Yuca zu. Das ist ein alkoholisches Getränk, bei dem die gekochte Yuca zerstampft und anschließend gekaut und wieder in den Topf wird. Dadurch wird sie ganz fein gekaut und man erreicht die Basis für die alkoholische Gärung. Für uns Deutsche und übrigens auch die Ecuadorianer außerhalb des Dschungels erstmal gewöhnungsbedürftig, aber am nächsten Tag sollten wir das Resultat probieren und bewerten dürfen :D
 Am nächsten Tag ging es wieder früh raus, aber diesmal zur Affeninsel. Diese Insel gehört einer anderen Comunidad, welche dort mal eine Affenfamilie ausgesetzt hat und, da Affen nicht schwimmen können, haben die nun die Insel bevölkert und man kann sie relativ leicht beobachten. Wir konnten ihnen beim Relaxen in den Baumkronen nach dem Frühstück zusehen und schossen fleißig Bilder. Durch die Schwüle und Mücken, wollten wir aber nicht zu lange auf der Insel bleiben :P Wir setzten also nach einer Stunde zum Dorf der Comunidad über, wo wir den Leuten etwas beim Alltag zusehen konnten und dafür ebenso interessiert beobachtet wurden :D Zum Mittagessen kehrten wir wieder die zwei Stunden mit dem Boot zurück - Entfernung in Ecuador wird irgendwie anders definiert! Zum Mittag gab es dann auch unsere Chicha verfeinert mit Maní - naja, ich glaube, dass unsere deutsche Spucke sich bei der Zubereitung nicht so gut gemacht hat :D Nachmittags stand dann ein Besuch bei der Comunidad gegenüber an mit einer Einführung in die Überlebensstrategien im Dschungel. Ich würde es mir aber nach wie vor nicht zutrauen, dort mutterseelenallein ums Überleben zu kämpfen ;D Zum Abschluss gab es Kunsthandwerk zu kaufen und es bot sich uns ein wunderschöner Regenbogen *-* Während des Abendessens durften wir ein paar Geschichten aus der Dschungel-Mythik lauschen. Echt sehr interessant, was die Menschen hier für Erklärungsansätze z. B. für Naturschauspiele haben und wie sich das dann mit dem weit verbreiteten Christentum mischt!
Am letzten richtigen Tag unserer Reise wollten wir nochmal zwei Comunidades besuchen. Die erste Comunidad lag wieder etwas mehr als zwei Stunden von uns am Tiputini-Fluss. Dort wurden wir mit einem traditionellen Tanz und Chicha begrüßt. Diese Chicha - ohne deutsche Spucke - schmeckte gleich viel besser ;) Anschließend gab es Patacones (frittierte Bananen) mit Guayusa, ein Tee aus den Blättern eines Amazonas-Baums - farblich vergleichbar mit Kaffee, geschmacklich wie Tee und leichte Droge. Bei den homöopathischen Mengen, die wir konsumierten, merkte man allerdings nichts. Der Zweck des Tees war der Schutz vor der Boa, der mächtigesten Schlange und Gott im Dschungel. Dann machten wir uns auf den Weg, die Plantagen der Comunidad zu erkunden und wir bekamen echt ein richtig schlechtes Gewissen, so viele Pflanzen abzuernten - die waren aber echt lecker!! Nachdem wir eine Kakao-Schote mitgenommen und dort zu Mittag gegessen hatten, ging es gestärkt zur letzten Gemeinde, welche eine Tonmine hat und daher Kunsthandwerk in dem Bereich betreibt. Wir stapften zu der Stelle, wo der Ton aus einem Bachbett herausgeholt wird, und ließen uns in die Handwerkskunst unterweisen. Auf dem Rückweg, schon in der Dämmerung, hielten wir auch noch bei der Comunidad Alta Florencia, welche unsere Urwald-Lodge betreibt. Zur Feier des letzten Abends gab es noch eine Kichwa-Stunde, damit wir wenigstens einen klitzekleinen Einblick in die örtliche Sprache bekamen. Anschließend verarbeiteten wir unseren mitgebrachten Kakao - ich hab jetzt selbsthergestellte Schokolade...von der Bohne bis zur Tafel...oder so ähnlich :D!
Dann war unsere Dschungel-Reise auch schon wieder zu Ende, denn am nächsten und letzten Tag fuhren wir den ganzen Tag den Napo wieder aufwärts nach Coca und dort trennten sich die Wege unserer Reisegruppe. Es war echt eine wunderbare Reise und ich konnte nochmal einen ganz anderen Teil Ecuadors kennenlernen :)!!


Mittwoch, 20. Mai 2015

Mein ecuadorianischer Geburtstag

Die Ecuadorianer haben ja eine ganz nette Art ihre Geburtstagskinder aufzuwecken :D! Das Geburtstagsständchen ist natürlich Pflicht, aber das wurde bei mir mit Topf-Percussion untermalt...dafür kam ich also gleich ruck-zuck aus dem Bett :D
Morgens hatte ich zum Glück frei und konnte meinen Geburtstag etwas genießen und ruhig angehen, denn mit 19 Jahren gehört man ja jetzt zu den Alten :D!!

Natürlich gab es zu meinem Geburtstag eine echte Leckerei zum Mittagessen: unsere berühmte Pizza aus der Pfanne - in Ermangelung eines Ofens :D Besonders hat mich außerdem ein Geschenk aus Deutschland gefreut - Danke, Nessi <3
Dann ging's ab in die Fundación zum Arbeiten, aber bei so einem lieben Team gab es nach getaner Arbeit einen Kaffee mit leckeren Sandwiches *-* Im Kreis meiner Arbeitskollegen meinen Geburtstag zu feiern, war echt schön, da ich meine Kollegen echt gern hab :)! Als keines Geschenk bekam ich dann Schokoladen :D Das hat mich gleich doppelt gefreut, da meine extra aus Deutschland mitgebrachten Schokoladen wahrscheinlich unsere Haushälterin mitgehen lassen hat :P
Abends kam dann noch Maribel mit zu mir nach Hause, wo wir einen weiteren Kaffee miteinander tranken und dazu gab es eine SACHER-TORTE *-*!!
Als Erinnerung an Ecuador schenkte mir Soraya wunderschöne, silberne Kolibri-Ohrringe, die einer von den Lazos anfertigt! Ich hatte also mal einen ganz anderen - eben ecuadorianischen - 19. Geburtstag im Kreise der Familie und mit vielen Leckereien :) Schade, dass nicht jeder Tag Geburtstag ist :D!!



Montag, 4. Mai 2015

Montañita - 365 Tage im Jahr Festivalfeeling

Nach unserer Cotopaxi-Tour ging es noch am gleichen Abend weiter an den Strand mit Ziel Montañita. Das ergab sich so, dass wir eigentlich geplant hatten, die ganze Woche am Strand zu verbringen, allerdings nicht zum Chillen, sondern um ein Lerncamp für unser bevorstehendes Spanisch-Examen am 23. Mai abzuhalten. Um auch möglichst wenig abgelenkt zu sein, zog es uns in die Region Esmeraldas nach Atacames. Nun kam es aber so, dass mich Soraya noch am Morgen, bevor wir zum Cotopaxi aufbrachen, auf dem Handy anrief und mir von einer Epidemie in Esmeraldas berichtete und uns dringend abriet, dorthin zu reisen. Wir wollten natürlich wissen, was es mit der Epidemie auf sich hat und trafen im Internet auf das Chikunguny-Fieber - eine Krankheit, die dem Dengue-Fieber ähnelt. Da wollten wir uns natürlich nicht unnötig in Gefahr bringen, also mussten wir unsere Pläne spontan umändern. Aber das ist ja in Ecuador kein Problem - Hotelreservierungen kennt man hier ja kaum ;)!
Da ich ebenfalls noch nicht in Montañita gewesen war, aber das Hippie-Dorf auf meiner (imaginären) Liste steht, war schnell eine Alternative gefunden. Also saßen Kathrin und ich am Dienstag Abend direkt nach der Cotopaxi-Besteigung schon wieder im Bus Richtung Guayaquil, wo wir umsteigen mussten. Am nächsten Morgen kamen wir dann schon um kurz vor 9 Uhr in Montañita an. Gleich am Eck, wo uns der Bus rausließ, gab es einen Bäcker und unser Frühstück war gesichert. Mit einem Schoko-Donut und Kaffee gestärkt, machten wir uns auf die Suche nach einem Hostal. Das Hostal kam aber viel mehr zu uns, als das wir es suchen mussten :D Wir wurden nämlich sofort von einem - wie sich später herrausstellte - Venezuelaner angesprochen, ob wir ein Hostal suchen würden. Der führte uns dann zu Ricky's Hostal, wo es neben einem Zimmer mit privatem Bad auch noch eine Gemeinschaftsküche gab. Trotzdem wollten wir erstmal nur unser Gepäck dort lassen und noch Preise vergleichen - wir waren nämlich auf Spartrip ;). Dann bot uns aber der Hostalverwalter gleich anstatt 10$ pro Nacht, das Zimmer für nur 7,50$ an. Bei dem Preis waren wir dabei :)
Wir erkundeten etwas das kleine Hippie-Dorf. Wirklich beeindruckend, was ein Surf-Hotspot alles für Leute anzieht! Überall sieht man Ausländer, wobei es neben ein paar Amerikanern eher andere Lateinamerikaner wie Venezuelaner oder Kolumbianer sind. Die nächsten Tage waren von einem täglichen Strandbesuch, Kochen in einer abenteuerlichen Küche und gaaaaaanz viel Lernen geprägt. Dafür dass Montañita auch der Ballermann Ecuadors genannt wird, hat sich das Dorf uns sehr ruhig und freundlich gezeigt. 
Das sollte sich aber bald ändern, denn mit dem 1. Mai-Feiertag kamen die Leute und auch die Hostal-Preise stiegen auf einmal von 7,50$ auf - durch unser Verhandlungsgeschick NUR - 12,50$ die Nacht. Letztendlich änderte das an unserer Routine aber auch nicht viel - die meiste Zeit des Tages saßen wir an unserem Tischen auf dem Terrassen-Flur vor dem Zimmer und paukten.
Am Freitag und Samstag Abend wollten wir dann das Nachtleben etwas kennenlernen und gingen dazu erst essen - am Freitag musste es Lasagne sein, denn Kathrin hatte nach einem Film so einen Heißhunger, der sie nicht mehr losließ :D Genießen konnte ich dieses kleine Stück heimatliches italienische Essen natürlich trotzdem, vor allem war das echt ein süßes italienisches Restaurant - man durfte sogar mit Kreide auf den Tischen zeichnen ;) So etwas gibt es auch nur in Montañita! Zum Nachtisch gönnten wir uns einen Nutella-Crêpe - nach 8 Monaten endlich mal wieder NUTELLA *-*!! Welch ein Genuss!
Das Nachtleben in Montañita war allerdings nicht so besonders überragend. Das Festivalfeeling in den Straßen war wesentlich schöner als jede Disco. So genossen wir am zweiten Ausgeh-Abend einen Cocktail auf der Straße und wurden eher von der Lust auf weiter Nutella-Crêpes aus dem Hostal getrieben als aufgrund des Fuatgehens.
Insgesamt verbrachten wir superschöne und trotz des Lernens entspannte 5 Tage in Montañita. Und falls jetzt noch jemand meint, das mit dem Lernen wäre nur vorgeschoben: ich hab in der Zeit ein ganzes Spanisch-Lehrbuch durchgearbeitet. In den ganzen 8 Monaten zuvor sind wir nur bis Kapitel 3 gekommen und ich hab dann die 10 voll gemacht ;) Und falls das Examen nichts wird, hatten wir immer noch eine schöne Zeit in Montañita :)


Mittwoch, 22. April 2015

Deutsche Kultur in Cuenca

Nachdem ich hier schon ein halbes Jahr verweile, gibt es ja dann schon mal die ein oder anderen Momente, an denen man vor lauter Reis, Reis, Reis, doch mal wieder richtig typisch deutsch bzw. bayerisch essen möchte. Daher haben Kathrin und ich mittlerweile schon so das ein oder andere Café oder Restaurant in Cuenca mit deutschem Essen aufgespürt - das ist gar nicht so schwer -  und ich habe in Ecuador angefangen zu kochen, deutsch zu kochen :D. Und bei diesen Beispielen beschränke ich mich gerade nur auf's Essen! Man sieht also, dass es selbst in Cuenca einige deutsche Spuren gibt und da möchte ich euch auf eine kleine Entdeckungstour einladen ;)!
Meine erste Entdeckung machte ich schon so ziemlich am ersten Tag, als Soraya mit mir das Stadtzentrum besichtigen ging. Fast direkt am zentralen Parque Calderón und unumgänglich auf unserem Weg von der Straße Padre Aguirre zum Park befindet sich das deutsche Konsulat in einem wunderschönen Haus im Kolonialstil im 1. Stock über einer Apotheke, die wird später noch wichtig! Für euch mag das vielleicht jetzt nicht so überraschend klingen, aber es ist irgendwie schon ein Stück Heimat, wenn man in seiner eigenen Stadt eine deutsche Behörde sitzen hat und jedesmal, wenn ich dort vorbeikomme - ist aufgrund der zentralen Lage gar nicht so selten - muss ich Lächeln ;)!
Wandbild im Café Austria
Der nächste Berührungspunkt, der auch durch den Reiseführer bedingt wurde, war dann das Café Austria. Dort überbrückten wir oft unsere Wartezeit während des Visumsprozesses. Leider wechselte das Café im alten Jahr aber auch sein Lokal und jetzt fällt es mir wesentlich schwerer, es zu finden auf der Suche nach gutem Kaffee und Wiener Backwaren-Spezialitäten :) Und wenn man schon mal vom Café Austria spricht, muss man eigentlich im gleichen Atemzug auch die Wunderbar in der Calle Larga nennen, der Fuatgeh-Zone Cuencas. In beiden Lokalen kann man richtig lecker und deutsch sowie international essen. Das ist dann auch bei der Bestellung immer relativ lustig, da wir ja wissen, was wir mit "Gulasch" meinen, ob der Kellner dieses nicht-spanische Wort dann auch mit unserer deutschen Aussprache versteht, bleibt zu Hoffen.

Leckeres Tiramisu in der Wunderbar

In der Weihnachtszeit hab ich die gewohnten Leckereien am meisten vermisst! Und hier kommen wir wieder auf die schon genannte Apotheke zurück. Der Name Apotheke ist hier in Ecuador längst nicht so eng gefasst wie im Deutschen.

Neben Arzneimitteln kann man sich meistens noch mit Körperpflegeprodukten eindecken - das klingt ja noch logisch! Richtig bunt für uns Deutsche wird es, wenn daneben noch Deko- und Geschenkartikel zum Verkauf angeboten werden und man dort sogar seine Handykarte wieder aufladen lassen kann :D
Christstollen aus der Apotheke
In unserem speziellen Fall der Konsulatsapotheke ist der oder die Gesch
äftsführerIn mit einer/einem Deutschen verheiratet und so kommt es, dass man sogar deutsche Spezialitäten erwerben kann. Im ganzjährigen Sortiment findet man so Erdinger Weißbier und zu Weihnachten tauchte zu unserer Freude daneben ein Christstollen auf. Welch ein Genuss *-*!
Manchmal geht es aber nicht so einfach, die ersehnten Köstlichkeiten einfach zu erstehen, oder es ist aufgrund der aktuellen Import-Vermeidungspolitik Ecuadors schlicht zu teuer (Beispiel: Ritter Sport Tafeln für 4 Dollar!). Dann bleibt nur eine Möglichkeit den Heißhunger trotzdem zu stillen: selbst aktiv werden :P! Also schickte ich einen verzweifelten Hilferuf nach Deutschland, dass mir doch meine liebe Mama ein Paket meiner Lieblingsrezepte schicken möge. Auf Mama ist natürlich Verlass und so kam bei der Familie Ecual bald Kartoffelsalat auf den Tisch.
Meine nächsten kulinarischen Gehversuche waren: Würstelgulasch, Kaiserschmarrn und letztendlich zur Feier des Halbjährigen sogar Spätzle! Dazu ein paar lustige Facts: Würstelgulasch kennt man hier in einer ähnlichen Version auch - nur eben mit Reis anstatt den Spirelli, war ja klar ;)! -, der Kaiserschmarrn wurde hier als Süßspeise gerade mal als Dessert anerkannt - süße Hauptgerichte kennt man nicht - und mein ganzer Stolz waren die selbstgemachten Spätzle, denn wir haben echt eine Spätzlereibe!! Bei den geladenen Mitverkostern - wir hatten Gäste - kamen die
Spätzle auch super an und die Versuche, das Gericht richtig zu benennen waren zum kaputt lachen :D Deutsch ist schon eine lustige Sprache!
Das wars jetzt zum Essen - ich hoffe, ihr könnt noch ruhig weiterlesen, ohne dass ihr vor Heißhunger auf eines der Gerichte meinen Blogeintrag vergesst ;)!
Ob das schmeckt!?
Denn man findet auch so noch hin und wieder deutsche Spuren in der mittlerweile für mich bekannten Fremde. Unser Lautsprecher bei der Bailoterapia ist beispielsweise aus Deutschland und in der Alkoholabteilung des Supermaxis findet man gar komische Sachen: Muttermilch...das will ich eher nicht probieren :)! Abgesehen davon läuft man auch immer wieder Menschen in die Arme, die etwas Deutsch sprechen, da sie schon mal eine Weile in Deutschland gelebt haben. Das ist wieder so ein Phänomen, das verwundert: Es gibt einige Ecuadorianer, die mit Deutschland gar nichts anfangen können à la "Grenzt das an Argentinien?" und nicht ganz so schlimm "Sprecht ihr Englisch oder welche Sprache ist das?", und dagegen gibt es dann sogar welche, die fließend Deutsch können und schon einige Zeit dort gelebt haben. Echt verblüffend!
Das wars auch schon wieder und ich bin gespannt, wie es wird, wenn in 4 Monaten wieder alle deutschen Einflüsse auf mich treffen.

Freitag, 2. Januar 2015

Wir verbrennen das alte Jahr :)!

Mit großen Schritten ging es nun auf Silvester los! Montag und Dienstag arbeitete ich noch, daher begannen wir erst am 31. Dezember mit dem Jahresputz, der so schnell aber noch nicht abgeschlossen sein sollte :D Abends besuchten wir noch die Oma und Jorge, um ihnen einen guten Rutsch zu wünschen. Eigentlich feiert man hier Silvester auch in der Familie, aber Maribel feierte mit Fausto und der Oma war auch nicht nach großer Familienfete. Also blieb zwar Tanya mit Juanito bei ihnen über Nacht, aber ohne groß zu feiern. Soraya und ich organisierten uns also spontan ein supergeniales Silvester :D
Viejo basteln, verbrennen und darauf anstoßen ;)
Die erste Etappe wurde bei der Oma bestritten. Tanya, Juanito und ich bastelten ganz traditionell einen Viejo, der das alte Jahr (Año Viejo) repräsentiert und eigentlich erst um Mitternacht verbrannt wird. Bei dem Verbrennen steht aber nicht nur der Abschluss des alten Jahres im Vordergrund, oft wird damit auch eine Person in Verbindung gebracht, der Viejo bekommt also deren Namen. Diese Person hat sich zum Beispiel etwas im vergangenen Jahr geleistet oder man möchte ihr einfach für das kommende Jahr viel Glück wünschen. So kam es, dass wir Karin verbrannten :D
Mit unserem Feuermeister Juanito trugen wir also dann schon um 21 Uhr den Viejo bzw. bei uns ja dann Vieja auf die Straße zum Anzünden und stießen auf 2014/2015 an :)
Für Soraya und mich ging es dann auch schon weiter, aber aufgrund von schon nicht mehr verkehrenden Bussen liefen wir den einstündigen Weg von der Ciudadela Calderón bis nach María Auxiliadora an der Avenida de las Americas entlang. Währenddessen hatten wir genug Zeit, das Jahr zu analysieren und kamen auf ganz andere Rückblicke. Während für Soraya 2014 mit dem Auszug von Karin eins der schwersten Jahre war, meine ich, dass 2014 "MEIN JAHR" war. Die ganze Abizeit, mein 18.er, die Zeit danach mit Freunden, Reisen, Feiern und Weltmeisterschaft und schließlich mein FSJ in Ecuador sind nur einige Höhepunkte :)
Die Heulsusen
Aber davon abgesehen sind wir auch so einigen lustigen Gestalten begegnet... Jungs als Llorona verkleidet, Heulsusen, die dem alten Jahr hinterher heulen :D
 Zurück Zuhause wurde der nächste Schlachtzug vorbereitet. Wir füllten den altbekannten Tetrapak-Küchenwein in meine etwas unscheinbarere Sigg-Flasche um, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier in Ecuador eigentlich verboten. Mit unserer umfunktionierten Flasche ging es dann auf Streifzug in die Stadt, auf der Suche nach interessanten Leuten zum Anstoßen. Cuenca schien in dieser Nacht ziemlich von Ausländern besetzt. Die Cuencaner waren ja auch daheim am Feiern mit der Familie ;) So stießen wir mit einem Amerikaner an, trafen einen nicht-trinkenden Schweizer und noch einige andere.

Das war uns aber noch nicht genug und so setzten wir uns zum Ziel in dieser Nacht alle vier Elemente antreffen zu wollen. So fand ich mich nach kurzer Zeit am Río Tomebamba wieder, wo ich endgültig von Soraya auf Lady Laura getauft wurde, damit auch ich das ecuadorianische Kriterium der zwei Vornamen erfülle. Zur Erklärung: Lady Laura kommt von einem schon etwas älteren Lied, mit dem eine Hymne auf die Mutter Lady Laura gesungen wird.
 
Nach der überstandenen Taufe ging es dann weiter und langsam auf die 12 Uhr zu. So fanden wir uns bei einer Straßenparty ein, zu der ein übergroßer Obama mit Pferdelächeln und ein Fidel mit Affen-Segelohren in Freundschaftsketten einluden. Viejos werden nicht nur allein verbrannt, lauter begeisterte Ausländer hatten sich damit ausgestattet und schichteten ihre Trophäen zu einem mittelgroßen Haufen auf. Dieser wurde dann natürlich von Obama und Fidel bethront und pünktlich um 00 Uhr des neuen Jahres in Flammen gelegt.
Um im nächsten Jahr nicht weniger vom Glück verfolgt zu werden sprang ich dann auch dreimal über dieses Feuer drüber, immer in guter Gesellschaft von anderen Glückssüchtigen ;) Außerdem durften die unterschiedlichen Nationen gerne am Mikrofon ihre Grüße in eigener Landessprache ausrichten, irgendwie kam es dazu, dass der deutsche Gruß als erster vorgetragen wurde...wer da wohl schuld daran war :D??
Da die mitgebrachten Viejos aber nicht alle nur mit Pappmachée gefüllt waren, sondern auch teilweise mit Feuerwerkskörpern, die dann wild in die Menge schießen, habe ich mir gleich mein erstes Andenken an 2015 geholt. Mich traf eine dieser gemeingefährlichen Raketen und hat mir eine kleine Narbe auf meinen wunderschönen Rücken gezaubert :D Soraya kam auch nicht ungeschoren davon, wobei sie zum Trost Fidels Hand im Feuer fand :)
Um 2 Uhr morgens wurde das neue Jahr dann aus unserer Sicht gebührend begrüßt, also gingen wir nach Hause und wollten zur ersten Mahlzeit des Jahres Bohnen mit Speck aus der Dose aufwärmen...so sehr wurde ich aber dann doch nicht vom Glück verfolgt, sodass ich die Bohnen leicht anbrennen ließ während Soraya duschte. Ich weiß also schon, dass bei meinen Kochkünsten auch im Jahr 2015 noch Luft nach oben bleibt :D!!
Damit kommen wir gleich zum A
ño Nuevo, dem Neujahrstag! Während wir also in der Nacht nicht gerade kulinarisch verwöhnt wurden, trafen wir uns am nächsten Tag mit allen Tanten wieder im Haus der Oma. Bevor es aber soweit kam, statteten Soraya und ich der Feria Libre einen Besuch ab - die arbeiten hier sogar an Neujahr!! Dort kauften wir Krabben, damit Maribel für alle ein superleckeres Ceviche machen konnte. Alle leicht erschöpft und vielleicht auch leicht verkatert von der vergangenen Nacht erfreuten sich daher umso mehr an dieser erfrischenden kalten Meeresfrüchte-Suppe. So kann das Jahr weitergehen :)!

Ich wünsche euch allen von Herzen auch ein gutes neues Jahr und denkt dran, bald habt ihr mich dann auch schon wieder :P!


Montag, 29. Dezember 2014

Zwischen den Jahren schon mal Karneval feiern :)

Nach Weihnachten ging es turbulent weiter...Am 27. Dezember trafen wir uns zum zweiten Mal mit Sorayas alten Freunden der Jugendgruppe "Lazos de Amistad" (heißt so viel wie Freundschaftsbänder). Wie auch beim letzten Mal war der Ecuadorbesuch eines Compas (Kurzform für Kamerade) der Anlass für die Reunión in Gualaceo, doch der Anlassgebende tauchte gar nicht auf :D
Das Treffen stand auch kurz vorher noch auf der Kippe, da wir erst zu einem anderen Compa auf sein Veranstaltungsgelände mit Hotel wollten und der dann doch eine andere Veranstaltung hatte. Zum Glück fand sich dann aber ein weiterer Compa, der so was ähnliches in Gualaceo hatte ;)
Also haben wir vormittags mit Tanya mit Juanito, Soraya mit Karin und ich mit dem Bus die einstündige Fahrt nach Gualaceo angetreten. Dort angekommen haben wir erstmal das weitläufige Gelände mit Fußballplatz, Pool und Whirlpool und Garten erkundet. Zum Glück wurde mir noch beim Verlassen des Hauses gesagt, dass ich mein Badezeug mitnehmen soll...also erstmal ins angenehme Wasser gesprungen. Pablo, der Compa, dessen Schwiegereltern das Ganze gehört, meinte zwar, dass der Pool nicht geheizt wäre, aber ich fand es mal ganz angenehm wieder in Wasser zu baden, was weniger warm als Körpertemperatur ist :D Also vergnügten wir uns eine Weile im Pool, bis der Rest eintrudelte - trotz erheblicher Verspätung waren wir dennoch unter den Ersten...Ecuador halt :D !

Wir aßen gemeinsam Mittag und um das leckere Essen nicht gleich auf den Rippen ins neue Jahr mitzunehmen, ging es auf den Platz Fußballspielen Jung und Alt gemeinsam. Denn hier in Ecuador nimmt man zu solchen Treffen nämlich seine ganze Familie mit...so kommt es, dass da bis zu 23-jährige Söhne auftauchen...in Deutschland undenkbar :)
Da ein anderes Mädchen in meinem Alter und ich aber die einzigsten Fußballdamen waren, landeten wir irgendwie im Tor und auch wenn ich aus Deutschland komme, ist mein Nachname nicht gleich Neuer :D Verloren haben wir aber dennoch nicht...ganz glücklich müssen wir aber auch nicht ausgesehen haben, denn nach kurzer Zeit gesellte sich Tanya und auf der anderen Seite Soraya zu uns ins Tor. Die sorgten dann für die entsprechende lautstarke Unterstützung :D
Als krönender Abschluss der Veranstaltung haben wir uns dann nach ecuadorianischer Karnevalstradition richtig nass gemacht ;) Soraya kannte keine Gnade mehr, nachdem man sie mit Bier bespritzt hatte, und so landeten alle im Pool und das bedeutete für die Erwachsenen ohne Badesachen :D
Absolut nass bedeutete das aber auch das Ende der Veranstaltung und wir hatten Glück, dass uns Pablo nach Hause fuhr und wir nicht den Bus nehmen mussten - wer weiß, ob der uns überhaupt mitgenommen hätte :P?
Die restlichen Tage vom scheidenden Jahr 2014 verbrachte ich relativ ruhig, Karin ging für die Silvesterfeier zu ihrem Vater und Soraya und ich bereiteten uns schon mal auf den bevorstehenden Jahresputz vor, besuchten die Oma usw. :)

Montag, 3. November 2014

Familienglück

Nach schon über zwei Monaten hier möchte ich euch etwas über meine Gastfamilie und meinen Alltag hier erzählen! Ist ja nicht so, dass ich die ganze Zeit auf Reisen bin :D Der deutlich überwiegende Teil meines Aufenthaltes hier ist ja mein tägliches Arbeits- und Familienleben hier im wunderschönen Cuenca :D
Ich wohne - wie ich euch schon mal erzählt habe - im historischen Zentrum Cuencas (hier findet ihr eine Karte mit meinem Haus ;) ). Wir wohnen hier mit meiner Gastmutter, Gasttante und meinem Gastcousin, der eher wie mein Gastbruder ist, da der fast den ganzen Tag bei uns herumspringt :D
Mein ecuadorianisches Zuhause
(mein Zimmer ist das Fenster über dem Friseur)

Ich hab ein eigenes Zimmer, was zwar keine richtige Wand hat, da das nachträglich anstatt des Wohnzimmers eingerichtet wurde. Meine Holzwand ist aber schon mit Skiurlaub-Bildern, einer Ecuador-Karte und Zitaten von mir aufgehübscht worden ;) In meinem Zimmer steht natürlich mein Bett, was sogar etwas größer als das daheim ist, ein Wäschekorb, der auch gleichzeitig als Nachttisch genutzt wird, ein Schreibtisch und ein Regal. Der Schreibtisch ist eigentlich die ganze Zeit von meinem Laptop und meinen Spanisch-Hausaufgaben belegt. An der Ordentlichkeitssituation hat sich also im Vergleich zu daheim nichts geändert :D Außerdem hat noch Marias Fotokalender einen festen Platz, der mich an unsere verrückte Zeit in Amsterdam, Hamburg und nach dem Abi erinnert, aber mir leider auch immer wieder zeigt, wie schnell die Zeit vergeht und wie schnell wieder umgeblättert wird. Mein Regal ist auch nicht gerade groß, aber - fragt mich nicht wie - ich habe alle meine Kleidungsstücke und anderen Kram u.a. meine Querflötennoten untergebracht. Meine Querflöte hat sich währenddessen auf meinem Koffer breitgemacht, der als praktischer Aufbewahrungsschrank z.B. für die mitgebrachten Medikamente mit einer Zimmerpflanze auch noch den Weg in mein Zimmer gefunden hat :D Das war denn schon alles...ein Studentenwohnheim wird also keine riesige Umstellung werden ;)
Unsere Wohnung hat dann noch eine große Küche - natürlich, wie sollte es anders sein - der Gemeinschaftsraum und Treffpunkt mit Wohnzimmer für alle. Neben meinem Zimmer ist das Zimmer meiner Gastmutter mit Fernseher. Hier ist es nämlich äußerst untypisch den Fernseher im Wohnzimmer zu haben. Meistens hat man einen seperaten Fernsehraum oder wie bei uns das Gerät in einem Zimmer untergebracht. Dann gibt es da noch Karins Zimmer mit Bad, was eigentlich nur hin und wieder am Wochenende von ihr oder jetzt schon zum zweiten Mal von Gästen bewohnt wird. Soraya und ich teilen uns das andere Bad. Apropos Bad...nach über einem Monat hat man mir dann doch mal gesagt, dass unser Bad kein normales bzw für hier ja schon ist, sprich: das Klopapier kommt in einen Eimer neben das Klo und wird nicht heruntergespült...der Wasserdruck ist zu niedrig.
Das ist unsere Wohnung im ersten Stock :)! Nebenan befindet sich Tanyas und Juans Wohnung, also die der Tante. Im Erdgeschoss befindet sich dann neben der Garage, die eigentlich nie genutzt wird, wir haben ja kein Auto, ein noch nicht fertig gestelltes Zimmer evtl. zum Vermieten oder für andere Familienmitglieder. Die "Dachterrasse" habt ihr ja schon im ALS-Icebucketchallenge-Video gesehen. Eigentlich ist das auch keine Dachterrasse sondern der Platz für die dritte geplante Wohnung. Die wird aber erst gebaut, wenn der Kredit der anderen beiden gedeckt ist, also vorraussichtlich nicht in diesem Jahr. Währenddessen ist das Maffis Spielplatz - das ist die Hündin von Tanya - und wir waschen und trocknen unsere Wäsche dort.
Das zum Thema Haus :D
Jetzt geht's zum sentimentaleren Teil über: meiner Gastfamilie :)
Ich muss echt sagen, dass ich ein Wahnsinnsglück mit meiner Familie habe! Ich fühle mich pudelwohl! Ihr braucht euch also keine Sorgen um mich machen ;)

Meine Gastmutter Soraya bekocht mich immer köstlich mit zur Zeit überwiegend typischen Gerichten, da sie gleichzeitig auch ihre Mutter und deren Bruder verpflegt und die absolute Reisesser sind. Aber an den Reis hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Es bleibt einem ja kaum etwas anderes übrig, wenn man mittags in der Fundación und abends daheim Reis zu essen bekommt :D
Dieses Wochenende habe ich mir von Soraya das Stricken (wieder) beibringen lassen und mein Loopschal ist schon fast fertig :)
Juanito - also eigentlich Juan, aber hier wird alles mit -ito/-ita verniedlicht :D - ist mein kleiner etwas aufgedrehter neunjähriger Bruder. Zusammen gucken wir manchmal Filme an oder machen meistens Schmarrn zusammen :) Manchen ist er ja schon bekannt, nachdem er letzte Woche mein Handy gesperrt hatte, aber jetzt ist ja alles wieder in Ordnung :)
Taubenfütterung
Meine Gastschwester Karin besucht uns ja zur Zeit wieder eher weniger bzw verpassen wir uns auch oft. Karin war jetzt schon zweimal bei uns, als ich unterwegs in Baños oder Quito war :D Wenn sie aber dann da ist, haben wir auch immer viel Spaß zusammen. Ein besonderes Erlebnis war z.B. das Taubenfüttern auf dem Plaza de las Palomas (Platz der Tauben). Meine Mama bezeichnet Tauben immer als fliegende Ratten und Ratten kann sie erst recht nicht leiden...anscheinend färbt das ab...denn ich konnte mich kaum beherrschen, wenn eine Taube sich meiner Hand näherte, das sorgte für viel Spaß, während Karin ja fast anfing mit den Tauben zu kuscheln :D
Tanya, meine Gasttante ist auch ein echter Engel! Dieses Wochenende war Soraya fast die ganze Zeit bei meiner Gastoma und ich war so mit Skypen beschäftigt, dann hat sie mir einfach Mittagessen mitgekocht und rübergebracht :)

Meine Gastoma ist auch total lieb. Wenn ich sonntags daheim bin, komme ich immer mit die Oma besuchen :)
Dann gibt es noch die andere Tante Maribel, die in der Fundación als Psychologin arbeitet, also die Verbindung darstellt. Maribel hat letztens die ganze Familie mit Nogiches und mit Mango-Saft versorgt :D Nogiches sind ihre selbst kreierten Pralinen mit Nogal-Nussstücken, das ist eine typische Nuss der Gegend um Cuenca. Hat ein bisschen Ähnlichkeit mit einer Walnuss, nur ist sie ganz schwarz und muss mit Steinen geschlagen werden, da sie so hart ist.
Mit ihrem blinden Mann Fausto, auch sehr freundlich und an Deutschland interessiert, haben sie den 21-jährigen Sebastián, auch Juan-Se oder Sebas genannt.
Und damit geht's fließend zu Familienfeiern über :D Juan-Se hatte nämlich ziemlich am Anfang meines Aufenthalts hier seinen 21. Geburtstag. In Deutschland würden die meisten wahrscheinlich mehr oder weniger groß mit Freunden feiern. Hier in Ecuador wird die ganze Familie zum Fest eingeladen. Das sind also Großeltern, alle Tanten und Onkel inklusive Familie. Wir waren also locker so 20 Personen, die dann alle von Maribel zu Mittag bekocht wurden. Man unterhielt sich und irgendwann am Nachmittag gingen wir Jugendlichen dann hoch auf den Dachboden um Karten und Monopoly zu spielen. Zu Abend wurde dann Kaffee mit Sandwiches zusammen gegessen und richtig zu Ende war die Feier erst zwischen 10 und 12 Uhr nachts :).
Maribels Geburtstag ein paar Tage später wurde dann etwas kleiner gefeiert, da die Oma schon genug mit dem herumkutschieren an Juan-Ses Geburtstag belastet worden war. Also trafen wir uns nur im Haus der Oma mit den drei Schwestern und Familien zum gemütlichen Kaffeetrinken und Unterhalten.
Vor etwa vier Wochen war dann diese Gruppe bei einem anderen Familienteil eingeladen und Soraya wurde gebeten Rosero zum Trinken mitzubringen. Ich erklärte mich dazu bereit, ihr bei der Zubereitung zu helfen. Da wusste ich aber nicht auf was ich mich einließ :D Wir waren bestimmt eine Stunde auf dem Markt unterwegs um die sieben Früchte und den weißen Mais einzukaufen, letztendlich konnten wir eine der Früchte nicht finden, also musste darauf verzichtet werden und danach kochten wir sechs Stunden, den ganzen Abend, an dem Rosero...!! Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, diese Art Früchtebowle war echt köstlich und wir hatten gleich 12 Liter davon! An Weihnachten dürfen wir aber auch wieder kochen und dann gleich an die 70 Liter :O.
Es wird hier also viel mit der Familie erlebt und auch bei einem Wiedersehenstreffen der ehemaligen Jugendgruppe von Soraya haben die alle ihre Familie, also zum Teil 21/24-jährige Söhne mitgenommen.
Als ich auch letztens mit Soraya gesprochen habe, hat sie mir zu dem Thema erzählt, dass man hier auch  zuerst seine Geschwister in schwierigen Lebenslagen konsultiert und erst anschließend die engen Freunde. Das ist ja in Deutschland ziemlich anders, zumindest wie ich das bis jetzt so miterlebt hab.
Das war jetzt erstmal einiges zu meiner Familie, damit ihr euch das etwas vorstellen könnt :)!
Besitos nach Deutschland :)!


Soraya, Karin und ich beim Schmarrnmachen

Freitag, 19. September 2014

Chefin versetzt uns an den Schreibtisch, dafür geht's übers Wochenende nach Quito!

Nachdem Kathrin und ich heute den ganzen Tag bis auf die Mitarbeit im Comedor am Schreibtisch mit Übersetzung verbracht haben, freu ich mich jetzt umso mehr, dass in gut einer Stunde unser Bus nach Quit0 geht!!
Wir werden in Quito Kathrins ehemalige Gastfamilie besuchen. Deren Tochter Danni studiert mittlerweile in Berlin und da das Semester ja bald wieder losgeht, hat es etwas gedrängt, dass wir uns auf nach Quito machen. Da haben Kathrin und sie einfach mal für ein Jahr Länder getauscht :D! Man kann es sich ja auch schwer machen mit dem Besuchen ;)
Hier nun ein kleiner Rückblick auf meine Woche: Am Montag stand auf einmal eine Frau im Comedor und wir dachten schon, dass es sich um eine Mutter der Familien im Projekt handelt, bis sich die Frau als Betty vorstellte. Endlich konnten wir unsere Chefin kennenlernen! Kathrin und ich dachten schon, dass wir ab jetzt klare Aufgaben und Arbeitszeiten haben, aber Pustekuchen :D Betty fehlt noch der Vertrag aus Deutschland, der unsere Arbeitszeiten regelt und solange der nicht da ist, gibt es auch noch keine Arbeitspläne :D Hach...so eine Situation erlebt man in Deutschland wohl eher weniger :D
Daraufhin waren wir uns etwas unsicher, wie es weiter geht, da wir ja eigentlich zuerst nur zur Mithilfe im Comedor bestellt waren und meistens freiwillig noch weiter mitgearbeitet haben, was aber nicht mit der Chefin abgeklärt war. So gab es am Montag nur eine Einführungsbesprechung mit Betty, wo wir uns nochmal Warnungen zur Sicherheit, auch gegenüber den ecuadorianischen Jungs und Co. anhören durften...die haben's anscheinend echt faustdick hinter den Ohren. Überall wird man vor ihnen gewarnt :D!
Dann hatten wir eine Stunde Zeit, genug um mal wieder eine Bäckerei zu überfallen!! Es gibt hier alle möglichen Arten von Brot, viel süßes, aber kaum Vollkorn bzw. das was sich integral nennt, kann es keinesfalls mit deutschem Brot aufnehmen :D Danach gab es ein Einführungstreffen für die ganze Familie der Fundación, was aus einer Begrüßung von Betty und ortstypischem Essen bestand. Wir hätten uns also den Gang zur Panadería sparen können :D!
Am Dienstag war Betty dann wieder nicht da, da sich ihr Sohn irgendwie an der Nase verletzt hatte. Also warten auf Mittwoch. Da gab's dann eine Teambesprechung der Erzieher, hier Educadoren genannt. Am vergangenen Freitag hatte Betty Soraya noch mitgegeben, dass wir unbedingt Spanischunterricht nehmen sollen, damit wir auch alle hier verstehen...da kannte sie uns und unsere Spanischkenntnisse noch gar nicht und da redete sie mit einer Geschwindigkeit auf uns ein, dass mir der Kopf qualmte :D
Gestern war sie dann wieder nicht da, also haben wir wieder mit den Kindern gearbeitet und an der Asamblea teilgenommen. Dort wurden die neuen Familien für das Jahr eingeteilt, welche dann unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Heute saßen wir dann am Schreibtisch und so wird es am Montag dann wieder weitergehen :D
Mal gucken, wann wir dann endlich unseren Arbeitsplan haben. Die Educadoren haben uns auf jeden Fall schon öfter um Unterstützung gebeten :)!
Jetzt geht's aber erstmal los nach Quito!!
Bis bald und besitos!

Donnerstag, 11. September 2014

Überlebensstrategien...

Nun komme ich mal zu dem Punkt, den die meisten von euch interessieren könnte...Wie lebt es sich hier so :)? Ich denke nach 20 Tagen kann ich euch darüber schon einige Sachen erzählen...
Ich steh meistens so um 8 Uhr auf bzw. da klingelt der Wecker und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich dann nochmal ne Viertelstunde liegen bleib :D Dann gibt's Frühstück, mal mit mal ohne Soraya. Die jangelt grad zwischen Juan zur Schule bringen, Citas médicas (Arztbesuche) mit Mami, der Großmutter, oder sie kocht für Mami und dessen Bruder Jorge Mittagessen. Ich bin immer noch bei meiner heiß geliebten Marmelade geblieben, ich muss euch nur leider enttäuschen, es ist doch keine Tomaten-Marmelade von der Tomate de Árbol, sondern eine Guayaba-Marmelade... Das ist aber auch schwierig mit den Massen an Früchten hier, vor allem gibt es dann noch so ähnliche Namen wie Guanabana...
Dann hab ich bis um halb 11 Uhr Zeit, alles mögliche zu erledigen. Das sind dann so Sachen wie Bad putzen, Wäsche waschen, im Supermaxi einkaufen, mich mit Kathrin in der Stadt treffen, mit Freunden oder Familie skypen oder unzählige Whatsappnachrichten beantworten - mach ich natürlich gern ;)!
Um halb 11 Uhr nehm ich dann den roten Bus 100 zur Fundación. Die roten Busse sind mir sympathischer als die blauen, da von denen nämlich ein Liniennetz an der Bushaltestelle aushängt. Den Fahrplan der blauen Busse erfährt man entweder durch Mundpropaganda oder man sieht sich die Schilder in der Windschutzscheibe genauer an, auf denen die wichtigsten Haltestellen zur Orientierung stehen.
In der Fundación arbeite ich seit Dienstag und helfe von halb 12 bis 14 Uhr bei der Essensausgabe und danach bin ich zur Zeit bei den Chiquitos, den Kleinsten im Grundschulalter. Diese Woche haben wir ein Taller (Werkstatt) zur persönlichen Entwicklung gemacht, da ging's dann um gesundes Essen und dass man selbst die wichtigste Person im Leben ist :)! Es gibt einen Snack am Nachmittag und am Ende die Hora de dormir. Die "Schlafstunde" ist aber keine ganze Stunde und es schlafen auch nicht alle bzw. nur wenige :)
Donnerstags gibt's normalerweise die Asamblea, die mit einem gemeinsamen Lied begonnen wird. Diese Woche wurde sie auf Mittwoch vorverschoben, da die Großen heute nen Ausflug gemacht haben. Die neuen Regeln für dieses Jahr wurden vorgelesen und, wenn ich das richtig verstanden habe, haben meine Haare besonderen Schutz vor Kinderhänden durch eine Sonderklausel :D Außerdem wurde über den nächsten Ausflug und den Freitagsfilm abgestimmt.
Morgen geht's mit den Chicitos bzw. mit denen, die sich die Woche gut benommen haben, wie jede Woche nach Baños, dem Thermalschwimmbad in der Nähe von Cuenca. Mal gucken wie das wird :D
Abends komm ich dann so zwischen 17 und 18 Uhr von der Fundación nach Hause und kann mich dann schon fast wieder fertig machen für die Bailo Terapia, die um 19 Uhr im Park in der Nähe von Kathrins Haus stattfindet. Nach dem Tanzen und anschließendem gemeinsamen Stretching und Ratschen mit Kathrin wird geduscht und gegessen, was demnach dann erst so um 21 Uhr stattfindet. Wenn ich vor der Bailo Terapia essen würde, würde mir sonst mein leckeres Abendessen im Bauch herumtanzen ;) Meistens bleiben Soraya und ich dann noch länger am Tisch sitzen und unterhalten uns, sodass ich meist erst so um 24 Uhr ins Bett komme.

So sieht mein Tagesablauf zur Zeit aus. Das kann sich aber bald ändern, da Kathrin und ich zwar grad schon in der Fundación arbeiten, aber unsere Direktorin immer noch an der Küste ist aufgrund von Familienproblemen. Wenn Betty dann wahrscheinlich nächste Woche wieder da ist, bekommen wir unsere endgültigen Arbeitszeiten, was für einen bedeutet, dass er morgens und samstags mit den Jugendlichen arbeiten wird. Sehen wir mal, wie sich das noch ändert :)
Übrigens für die Klointeressierten: Die Klos sehen hier genauso aus, wie in Deutschland. Es kommt nur hin und wieder vor, dass daneben ein Mülleimer mit Deckel steht, in den man das Klopapier entsorgen soll, da der Wasserdruck nicht überall ausreichend ist. Bei mir daheim ist aber alles "stink" normal...obs stinkt, kommt ja auf meine Putzkünste drauf an :D

Montag, 8. September 2014

Sand zwischen den Zehen...

Holaaa amigos!!
Kathrin und ich sind wieder wohlauf nach Cuenca zurückgekehrt! Wir haben wunderschöne vier Tage an der Costa verbracht, natürlich nicht ohne Abenteuer ;) Wir sind am Donnerstag um 5 Uhr morgens mit dem Bus über Guayaquil nach Portoviejo gefahren. Hier gibt es nämlich ein äußerst gut ausgebautes Fernbus-System, dafür aber kein Eisenbahnnetz wie wir es in Deutschland kennen. Die Fahrt war sehr angenehm, da die Sitzreihen genug Abstand voneinander haben, dass man bei ganz zurückgestellter Rückenlehne seinen Hintermann immer noch nicht belästigen kann und auch für die Füße eine Vorrichtung vorhanden ist. So konnten wir in Ruhe weiterschlafen oder
die Anden im Morgengrauen bewundern, während wir in knappen vier Stunden von 2500 Höhenmeter auf Null kamen. In Portoviejo sind wir dann in einen anderen Bus nach Crucita umgestiegen. Dieser war aber wirklich anders :D! Wir hatten es mit einem Gefährt zu tun, das keinen deutschen TÜV überstehen würde, daher aber mit allerlei christlichen Motiven zugeklebt war nach dem Motto: Auch wenn der Wagen halb auseinander fällt, dann halte wenigstens Gott seine Hand drüber, dass alle gut ankommen.
Etwa um 14 Uhr in Crucita angekommen liefen wir erstmal den Malecón (Strandpromenade) ab und bestellten ein Almuerzo (Mittagessen) in einem Comedor (etwas einfacher als ein Restaurant). So etwas ist erschwinglich und sehr lecker, da man für etwa 3 $ eine Suppe mit ortstypischem Hauptgang bestehend aus Reis, Salat, angebratenen Bananen und Fisch und Saft bekommt. Wir bestellten Cola, bekamen dann aber eine pappsüße Inka Cola...tja :)
Kathrins und mein weiterer Plan bestand aus einem zusammengekritzelten Zettel, auf dem die schönsten Strände der Region Manabí und ein Hotelvorschlag vermerkt war. Den Hotelvorschlag konnten wir leider nicht wahrnehmen, da es hier tausend Pingüino-Stände (Langnese-Äquivalent) gibt und wir dann einfach im nächst größten die Eisfrau fragten, anstatt nach einem großem, weiß-haarigen Herren mit Glasauge zu suchen. Die Eisfrau empfahl uns dann das Hotel Huellas en la Arena und das war unser Glücksgriff!
Wir hatten eine familiäre Unterkunft, wo wir jeden Morgen das Frühstück aus Omlett, Obstsalat, Kaffee und Brot selbst zubereiteten und der einzige weitere Gast war ein Osteopath aus Cuenca, der uns in seinem Auto herumchauffierte :D So kamen wir am nächsten Tag in die Thunfisch-Metropole Manta, dessen wunderschönen Strand Playa de Murciélago (Fledermausstrand) und an den Playa Boca (Mündungsstrand), der die Mündung des Rio Portoviejo enthält und wo wir wieder ein äußerst leckeres Mittagessen unter Palmendach und Meerblick hatten. Tags drauf ging es nach San Jacinto und San Clemente, dann wurden wir "ausgesetzt" und schlugen uns mit den Kitsch-Bussen nach Canoa durch. Dort trafen wir das ecuadorianische Hippie-Dorf schlechthin an :) Alles, was man beispielsweise auf dem Tollwood erstehen kann, gab es dort in der chilligen Atmosphäre eines Surferdorfs. Der Strand war wie alle anderen zuvor gesehenen traumhaft schön, nur leider hatten wir an dem Tag kein Glück mit dem Wetter. So war es uns zum Baden zu windig, dafür wurde dann aber ausgiebig gebummelt ;)
Abends kamen wir wieder in Crucita an und gingen auf den gelungenen Strand-Kurztrip noch einen trinken. Am ersten Abend hatten wir uns schon an einem ortstypischen Mischgetränk aus Corona-Bier, Limon und Salz versucht, was aber gründlich fehlgeschlagen ist und in der Challenge "Trink das Glas aus!" endete, beide bestanden :D Dafür sollte es diesmal ein Cocktail zum Dank bei der Eisfrau sein!
Am nächsten Tag sollte es dann zurück Richtung Heimat gehen, was sich als echter Spießrutenlauf entpuppte. Unsere anvisierte Ankunftszeit war 19 Uhr in Cuenca, so dass wir um 11 Uhr Crucita verließen, nachdem wir uns vom Hotelbesitzer Julio und "Chauffeur" Fernando samt hoteleigenem Kleintierzoo bestehend aus drei Hunden, Hühnern und einem pflegebedürftigen Küken verabschiedet hatten. Um 12 Uhr kamen wir dann sogar früher als geplant in Portoviejo an. Dort nahm das Übel seinen Lauf: Da es Sonntag war hatte unser eigentliches Busunternehmen Reina del Camino erst bei der Fahrt um 16:15 Uhr wieder Plätze frei für uns zwei. So lange wollten wir aber nicht warten und machten uns auf die Suche nach Alternativen nach Guayaquil. Ein junger Mann wollte uns zu diesen Buslinien führen und empfahl uns einen Bus nach Santo Domingo. Wir wurden in den Bus verfrachtet und guckten dann auf die Karte, wo die Reise überhaupt hingeht...OMG, das war ja voll die falsche Richtung!! Santo Domingo liegt vielleicht zwei Stunden von Quito, aber zehn Stunden von Cuenca mit dem Bus entfernt...Als uns das auffiel, war es aber schon zu spät und wir im Bus unterwegs in die falsche Richtung! Die fünfstündige Fahrt war landschaftlich schon ansprechend aber wesentlich weniger bequem, als die eigentliche Fahrt nach Guayaquil. In Santo Domingo endlich angekommen suchten wir dann Verbindungen nach Cuenca...da hatte uns dieser junge Mann aber gewaltig übers Ohr gehauen...nach langem Suchen gab es gerade eine Firma, die Fahrten nach Cuenca anbot! Wir wollten den nächsten Bus um 19:30 Uhr nach Cuenca nehmen (immernoch drei Stunden Wartezeit!!), aber ratet mal...der war schon voll :D!
Also mussten wir den Bus um 21 Uhr nehmen, der zehn Stunden bis Cuenca brauchen würde und machten uns auf 4 1/2 Stunden Warten gefasst. Laut Reiseführer bot Santo Domingo auch nicht viel, was wir nach einem kleinen Rundgang auch so sahen. Außerdem fing es langsam das Dämmern an und nachts sollte man sich eigentlich nirgendwo in Lateinamerika außerhalb des Terminals bewegen. Also warteten wir im Büro des Busunternehmens auf die Abfahrt, während spanische Simpsons liefen und unsere Handys am Strom hingen.

Als es endlich so weit war, wurden wir kurzfristig noch in einen anderen Bus des Unternehmens umverfrachtet, da dieser direkt nach Cuenca fahren würde...erspart uns vielleicht etwas Zeit :)!
Dann ging die Fahrt durch die Anden los. Leider sah man nicht viel von der Landschaft, dafür aber viel vom ecuadorianischen Innensicherheitssystems: Wir wurden dreimal von der Polizei angehalten! Zweimal gingen sie mit einer Kamera durch den Bus und hielten sie jedem ins Gesicht und einmal mussten alle mitsamt Gepäck den Bus räumen. Kathrin witzelte nach dem ersten Mal noch, dass ich sie bei der nächsten Razzia wecken soll...danach war uns aber nicht mehr viel nach Lachen zumute.

Um 4 Uhr morgens kamen wir dann doch wesentlich früher als erwartet in Cuenca an und vielen erschöpft in unsere eigenen Betten. Kathrin hat Recht: Nach so einer Reise fühlt man sich noch mehr heimisch in Cuenca!

Freitag, 29. August 2014

Fortsetzung folgt...

Wer kennt alles noch diese wunderbare Fernsehsendung von KiKa mit demselben Titel? Ich hoffe einige und die, die sie nicht kennen: In diesem Format wurden Reportagen immer in zwei Teilen präsentiert. Betonung auf ZWEI...denn in zwei Teilen ist eine Geschichte vielleicht auch schön, aber Kathrin und ich sind heute in die 3. Runde Visumsgeschichten eingetaucht...
Nachdem gestern das Ministerio um 16 Uhr die Türen schließen wollte, hat man uns für heute gleich um acht Uhr morgens wieder herbestellt...also quälten Kathrin und ich uns in der Früh aus dem Bett (echt krass, wie schnell man das frühe Aufstehen verlernt :D!). Als Belohnung für unsere morgendliche Aktion sollte es anschließend Frühstück im Café Austria geben. Da hatten wir aber unsere Pläne ohne das Ministerio gemacht! Die hatten nämlich ein Computer-Problem - schön, dass es nicht nur mir so geht, sondern auch auf höheren Instanzen - sodass man uns erst warten ließ und uns dann fortschickte, wir könnten es ja später oder an einem anderen Tag nochmal probieren. Den "anderen Tag" sahen Kathrin und ich aber nicht ein, vor allem wäre das äußerst diffizil, wenn wir bald zu arbeiten beginnen würden - also eigentlich am kommenden Montag! Also machten wir uns auf den Weg zum Café Austria, da unsere Mägen schon auf halb acht hingen...das kleine Semmelchen heute morgen mit Tomatenmarmelade langt ja nicht ewig. Und ja, ihr habt richtig gehört: Dadurch dass es hier süße Tomaten gibt, gibt es hier auch süßen Tomatensaft und -marmelade...am Anfang war der Geschmack etwas anders, aber mittlerweile hat die Tomatenmarmelade den Evergreen Erdbeermarmelade abgelöst...und das heißt was bei mir :D
Im Café Austria gab es dann ein leckeres mexikanisches Frühstück bestehend aus Tortillas mit obendrauf Ei und Bohnen, dazu Salsa, Jugo (= Saft, in meinem Fall von der Ananas) und Kaffee. Bevor wir uns aber diese Leckerei gönnten, verbrachten Kathrin und ich noch lange Zeit im Buchladen: Kathrin hat sich sehr motiviert Don Quijote gekauft...für mich sollte es etwas herkömmlichere Literatur, also ein stinknormaler Roman sein. Mal gucken, wie weit mein Spanisch reicht!
Um 12 Uhr trafen wir uns mit Patricia, die uns ein Treffen am Montag mit Fausto organisierte, ihr Bruder und Mitarbeiter in der Fundación. Ab 15 Uhr werden wir dann in die Arbeit eingeführt, damit wir bald mit Schuljahresbeginn anfangen können :)!
Anschließend ging es zurück zum Ministerio und - juhuuu! - es ging voran :)! nach etwas (obligatorischer) Wartezeit, durften wir dann im Empadronamiento (Einwohnermeldeamt) zum letzten Schritt unserer Visa-Registrierung voranschreiten. Das Ganze kostete nochmal 4 $ und 0,50$ für einen farbigen Abzug, dieser blieb dann im Amt und wir konnten endlich mit dem Originalpapier und dem kompletten Visastempel im Reisepass das Ministerio verlassen!! Da war die Freude groß :)
Von dem ganzen Ämterstress mussten wir uns daheim erstmal erholen und ich hab mein Zimmer mit Skifahrbildern aufgehübscht, bis es abends wieder zur Bailo Terapia ging. Zumba und Tanzen macht echt Spaß, vorallem kann man sich das ganze reichhaltige Essen hier kaum erlauben ;D!
Morgen feiert dann ein Cousin (Sohn von Maribel) seinen 21. oder 22. Geburtstag, wozu wir zum Mittag eingeladen sind!

Davor soll ich über die Kunst des Handwäschewaschens unterrichtet werden und - wenn sich dann noch Zeit findet - wollen Kathrin und ich am Abend auf eine erfolgreiche erste Woche anstoßen und uns bei selbiger Gelegenheit gleich einen Kübel Eiswasser drüberschütten :) Die ALS-Icebucket-Challenge macht auch vor Ecuador-Ausreisenden keinen Halt :D
Wünscht uns viel Spaß bei unserem feuchtfröhlichen Vergnügen, Video kommt natürlich auch hierher und gespendet wurde schon, auch das geht von Ecuador aus...wir sind nicht am Ende der Welt ;)!
Buenas noches!!