Mittwoch, 22. April 2015

Deutsche Kultur in Cuenca

Nachdem ich hier schon ein halbes Jahr verweile, gibt es ja dann schon mal die ein oder anderen Momente, an denen man vor lauter Reis, Reis, Reis, doch mal wieder richtig typisch deutsch bzw. bayerisch essen möchte. Daher haben Kathrin und ich mittlerweile schon so das ein oder andere Café oder Restaurant in Cuenca mit deutschem Essen aufgespürt - das ist gar nicht so schwer -  und ich habe in Ecuador angefangen zu kochen, deutsch zu kochen :D. Und bei diesen Beispielen beschränke ich mich gerade nur auf's Essen! Man sieht also, dass es selbst in Cuenca einige deutsche Spuren gibt und da möchte ich euch auf eine kleine Entdeckungstour einladen ;)!
Meine erste Entdeckung machte ich schon so ziemlich am ersten Tag, als Soraya mit mir das Stadtzentrum besichtigen ging. Fast direkt am zentralen Parque Calderón und unumgänglich auf unserem Weg von der Straße Padre Aguirre zum Park befindet sich das deutsche Konsulat in einem wunderschönen Haus im Kolonialstil im 1. Stock über einer Apotheke, die wird später noch wichtig! Für euch mag das vielleicht jetzt nicht so überraschend klingen, aber es ist irgendwie schon ein Stück Heimat, wenn man in seiner eigenen Stadt eine deutsche Behörde sitzen hat und jedesmal, wenn ich dort vorbeikomme - ist aufgrund der zentralen Lage gar nicht so selten - muss ich Lächeln ;)!
Wandbild im Café Austria
Der nächste Berührungspunkt, der auch durch den Reiseführer bedingt wurde, war dann das Café Austria. Dort überbrückten wir oft unsere Wartezeit während des Visumsprozesses. Leider wechselte das Café im alten Jahr aber auch sein Lokal und jetzt fällt es mir wesentlich schwerer, es zu finden auf der Suche nach gutem Kaffee und Wiener Backwaren-Spezialitäten :) Und wenn man schon mal vom Café Austria spricht, muss man eigentlich im gleichen Atemzug auch die Wunderbar in der Calle Larga nennen, der Fuatgeh-Zone Cuencas. In beiden Lokalen kann man richtig lecker und deutsch sowie international essen. Das ist dann auch bei der Bestellung immer relativ lustig, da wir ja wissen, was wir mit "Gulasch" meinen, ob der Kellner dieses nicht-spanische Wort dann auch mit unserer deutschen Aussprache versteht, bleibt zu Hoffen.

Leckeres Tiramisu in der Wunderbar

In der Weihnachtszeit hab ich die gewohnten Leckereien am meisten vermisst! Und hier kommen wir wieder auf die schon genannte Apotheke zurück. Der Name Apotheke ist hier in Ecuador längst nicht so eng gefasst wie im Deutschen.

Neben Arzneimitteln kann man sich meistens noch mit Körperpflegeprodukten eindecken - das klingt ja noch logisch! Richtig bunt für uns Deutsche wird es, wenn daneben noch Deko- und Geschenkartikel zum Verkauf angeboten werden und man dort sogar seine Handykarte wieder aufladen lassen kann :D
Christstollen aus der Apotheke
In unserem speziellen Fall der Konsulatsapotheke ist der oder die Gesch
äftsführerIn mit einer/einem Deutschen verheiratet und so kommt es, dass man sogar deutsche Spezialitäten erwerben kann. Im ganzjährigen Sortiment findet man so Erdinger Weißbier und zu Weihnachten tauchte zu unserer Freude daneben ein Christstollen auf. Welch ein Genuss *-*!
Manchmal geht es aber nicht so einfach, die ersehnten Köstlichkeiten einfach zu erstehen, oder es ist aufgrund der aktuellen Import-Vermeidungspolitik Ecuadors schlicht zu teuer (Beispiel: Ritter Sport Tafeln für 4 Dollar!). Dann bleibt nur eine Möglichkeit den Heißhunger trotzdem zu stillen: selbst aktiv werden :P! Also schickte ich einen verzweifelten Hilferuf nach Deutschland, dass mir doch meine liebe Mama ein Paket meiner Lieblingsrezepte schicken möge. Auf Mama ist natürlich Verlass und so kam bei der Familie Ecual bald Kartoffelsalat auf den Tisch.
Meine nächsten kulinarischen Gehversuche waren: Würstelgulasch, Kaiserschmarrn und letztendlich zur Feier des Halbjährigen sogar Spätzle! Dazu ein paar lustige Facts: Würstelgulasch kennt man hier in einer ähnlichen Version auch - nur eben mit Reis anstatt den Spirelli, war ja klar ;)! -, der Kaiserschmarrn wurde hier als Süßspeise gerade mal als Dessert anerkannt - süße Hauptgerichte kennt man nicht - und mein ganzer Stolz waren die selbstgemachten Spätzle, denn wir haben echt eine Spätzlereibe!! Bei den geladenen Mitverkostern - wir hatten Gäste - kamen die
Spätzle auch super an und die Versuche, das Gericht richtig zu benennen waren zum kaputt lachen :D Deutsch ist schon eine lustige Sprache!
Das wars jetzt zum Essen - ich hoffe, ihr könnt noch ruhig weiterlesen, ohne dass ihr vor Heißhunger auf eines der Gerichte meinen Blogeintrag vergesst ;)!
Ob das schmeckt!?
Denn man findet auch so noch hin und wieder deutsche Spuren in der mittlerweile für mich bekannten Fremde. Unser Lautsprecher bei der Bailoterapia ist beispielsweise aus Deutschland und in der Alkoholabteilung des Supermaxis findet man gar komische Sachen: Muttermilch...das will ich eher nicht probieren :)! Abgesehen davon läuft man auch immer wieder Menschen in die Arme, die etwas Deutsch sprechen, da sie schon mal eine Weile in Deutschland gelebt haben. Das ist wieder so ein Phänomen, das verwundert: Es gibt einige Ecuadorianer, die mit Deutschland gar nichts anfangen können à la "Grenzt das an Argentinien?" und nicht ganz so schlimm "Sprecht ihr Englisch oder welche Sprache ist das?", und dagegen gibt es dann sogar welche, die fließend Deutsch können und schon einige Zeit dort gelebt haben. Echt verblüffend!
Das wars auch schon wieder und ich bin gespannt, wie es wird, wenn in 4 Monaten wieder alle deutschen Einflüsse auf mich treffen.

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