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Mittwoch, 20. Mai 2015

Nationalpark El Cajas - ein wundervolles Nichts

Jetzt war ich schon drei Mal in Cajas und hab hier irgendwie immer noch kein Wort darüber fallen lassen - welch eine Schande :D!
Der Nationalpark El Cajas befindet sich circa ein Stunde von Cuenca Richtung Guayaquil und ist Páramo, also Ödland. Es gibt dort unzählige Lagunen und unterirdische Wasserkörper. Ein Großteil unseres tollen cuencanischen Wassers kommt von dort, denn in Cuenca kann man sehr wohl aus dem Hahn trinken ;)
El Cajas mit den Jugendlichen - Laguna Llaviuco
Das erste Mal war ich mit meiner Familie dort, das nächste Mal mit den Jugendlichen der Fundación im Rahmen eines Samstagsausflugs Ende April und das bisher letzte Mal mit Kathrin und Pedro am Tag vor meinem Geburtstag. Das war eine sehr interessante Tour, da wir mit dem Club Sangay unterwegs waren. Das ist eine Wandergruppe ähnlich wie der DAV (Deutscher Alpen-Verein). Während wir mit den Jugendlichen bei Regen nur etwa eine Stunde um eine Lagune fast herumgesprintet sind -  aufgrund des Wetters ;) -, war ich mit meinen Eltern drei und mit dem Club Sangay fünf Stunden unterwegs. Mit meinen Eltern nahmen wir einen beschriebenen Wanderweg und mit dem Club waren wir abseits der Wege unterwegs. Das war sehr interessant, darf man aber im Normalfall nicht machen.
Cajas ist nämlich ein sehr gefährliches Gebiet. Da es zwischen 3500m und 4500m hoch gelegen und sehr kühl und feucht ist, kann schnell Nebel aufziehen und bei so einer kargen Landschaft verliert man schnell die Orientation und die Höhe tut ihr übriges dazu, sodass dort schon viele Menschen sich verlaufen haben und erfroren sind. Das war's aber erstmal mit Horrorgeschichten :P! Dafür ist es da nämlich viel zu schön :D Ich kann euch nicht sagen, was genau mich so fasziniert, da es dort ja eigentlich nicht viel gibt, aber vielleicht ist es einfach dieses Nichts, diese Leere :D
Unterwegs mit Kathrin, Pedro und dem Club Sangay
Um nicht unvorbereitet loszulaufen, haben wir mit meinen Eltern damals das Informationszentrum besucht und auch gleich einen Canelazo (alkoholischer Fruchtsud) getrunken und Schokolade gekauft. Das soll alles gegen die Höhe helfen ;) Mit Kathrin und Pedro haben wir das gleich nochmal wiederholt :D Außerdem muss man sich natürlich warm anziehen, dafür wird man, wenn man Glück hat, mit einer Begegnung mit einem Lama beglückt ;)

Das erste Mal in Cajas mit meiner Familie
 Mit meiner Familie waren wir nach der Wanderung auch noch lecker Fisch essen, da es dort viele Forellen gibt. Durch das Schlemmen haben wir uns dann auch etwas verspätet und da es in Cajas schon gegen 17 Uhr dämmert und dann auch kaum noch Busse fahren - weitere Gefahr!! - sind wir zurück nach Cuenca auf der Ladefläche eines Pickups gefahren. Während Mama und Papa leicht erschrocken gewirkt haben, haben Leon und ich uns wirklich amüsiert :D
Es waren drei wunderbare Ausflüge und ich hoffe, dass ich es nochmal dorthin schaffe :)!!

Dienstag, 28. April 2015

On Top of the World - oder so ähnlich :)

Schon passend zu unserem "Imagine Dragons"-Konzert im Oktober - ja, ganz Laura-like hab ich schon wieder Pläne :P - haben wir uns genau vor einer Woche zu einem sportlichen Hochleistungsevent hinreißen lassen. Ziemlich genau ein Jahr nach meinem erfolgreich absolvierten Halbmarathon muss ja was neues her :D!
Dazu haben Kathrin und ich uns in der Nacht des 25. Aprils auf nach Latacunga gemacht. Latacunga liegt etwa 80 km südlich von Quito an der Panamericana am Fuß des Nationalparks Cotopaxi. Der Cotopaxi ist so DER BERG Ecuadors, obwohl er nur der zweithöchste Gipfel des Landes mit einer Höhe von 5.897 m ist. Der Chimborazo überragt den Cotopaxi mit seinen 6.310 Höhenmetern, dafür ist der Cotopaxi einer der höchsten Vulkane weltweit und durch seine konische Form mit Eiskappe sieht er auch richtig wie ein typischer Vulkan aus - fehlt nur noch der lavaspeiende Ausbruch, aber da will ich dann lieber nicht in der Nähe sein ;).

Der wunderschöne Cotopaxi
Unser Projekt war nicht nur der Besuch des Nationalparks - nein, eine Bergbesteigung sollte es sein! Bei einem Gipfelsturm in diesen Höhen muss aber natürlich für eine gute Akklimatisation gesorgt werden. Da kam es uns gerade recht, dass wir in Cuenca schon auf einer guten Höhe von etwa 2.500 m unseren Alltag bestreiten und Ausflüge in den nahen Nationalpark "El Cajas" auf rund 4.000 Höhenmeter, konnte meiner Puste nichts anhaben. Daher entschieden wir uns dazu, am Ankunftstag gleich weiter nach Quilotoa zu fahren und dort zu der Kraterlagune des erloschenen Vulkans hinab- und anschließend natürlich wieder heraufzusteigen.
Dort angekommen hat es uns zuerst fast weggeweht! Brrr, war das kalt. Aber es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Also machten wir uns an den echt einfachen Abstieg - die einzige Schwierigkeit bestand darin, im Sand nicht wegzurutschen und das mit Wanderschuhen :D! Kaum begab man sich auch in den Krater, wurde es sofort wesentlich windstiller und durch die körperliche Betätigung wurde es einem auch sofort wärmer. Ich hab keine Ahnung wie lange wir nach unten gebraucht haben, lange kann es aber nicht gewesen sein - man rechnet mit so circa 45 Minuten für den Abstieg - abgelenkt wurden wir nämlich von zwei Schweizerinnen auf Lateinamerika-Rundreise. Das war echt interessant, was die so zu erzählen hatten und vor allem von den Peru-Erlebnissen konnten wir uns ja schon mal für unsere geplante Reise inspirieren lassen.
Unten am Kratersee verweilten wir etwas, der ist viel zu schön, als dass man gleich wieder hochrennen könnte! Wir schauten den Touristen beim Kajakfahren auf dem ruhigen Wasser zu, machten uns über die Selfiesticks aller anderen lustig und ließen uns auch zum Fotoschießen hinreißen. Nach einer guten Pause mussten wir uns aber dann leider wieder von den Schweizer Mädels trennen, denn die hatten dort unten ihre Reisefreunde wiedergefunden und wollten in Quilotoa übernachten, während wir uns schon langsam wieder Richtung Latacunga losmachten.
Davor musste aber erst der Aufstieg bewältigt werden. Wer sich beim absteigen noch gewundert hatte, wie manche so eine Wanderung mit Absatzschuhen antreten, fand schon bald die Lösung: Während beim Abstieg der Absatz als mögliche Bremse noch sinnvoll erscheint, werden alle Aufstiegunwilligen oder -unfähigen einfach auf Esel verfrachtet, die die Touristen für 10 $ wieder zur Ausgangsposition befördern. Wer allerdings eine Cotopaxi-Besteigung vor sich hat und für denKurzurlaub unter anderem aufgrund der teuren Cotopaxi-Tour nicht übermäßig viel Geld ausgeben möchte, der nimmt die Beine in die Hand und marschiert los! Und so schlimm war es auch gar nicht ;) Das Herz kommt etwas auf Trab und über Kälte braucht man sich auf keinen Fall mehr beschweren, aber nach einer guten Dreiviertelstunde - und das ist echt schnell, so lange brauchen normalerweise die erfahrenen Bergführer - standen wir wieder oben und guckten auf den See herab.
Das eigentliche Abenteuer stand aber noch bevor: die Rückfahrt. Busfahrpläne kennt man in Ecuador ja eigentlich eh nur am Terminal und wenn man dazu als Einheimischer noch keine Ahnung hat, wird meistens einfach irgendetwas behauptet à la "Heute kommt kein Bus mehr!". Dass das aus dem Mund eines Camioneta(= Pickup)-Fahrers kam, war natürlich kein Zufall. Die Rechnung ging für ihn auf und er hatte vier Ausländerinnen im Auto sitzen, denen man ruhigen gewissens einen teueren "Gringo"-Preis abverlangen kann. So kam es, dass wir - diesmal begleitet von Däninnen - 1,25$ pro Person für die halbstündige Fahrt berappen sollten, die Einheimischen auf der Ladefläche dagegen nur die Hälfte bezahlten. Und das Ganze wurde verhandelt, als uns ein Bus entgegenkam, der aber laut Aussage des Camioneta-Fahrers "heute ja nicht mehr zurückfährt"! Tja, das ist Ecuador :D
Im nächsten Dorf warteten wir dann also auf einen Bus, der die zwei Stunden bis nach Latacunga fahren sollte. Der kam auch gleich und entsprach so ganz dem Klischee der lateinamerikanischen Busse: alt, gerade noch fahrtüchtig, dunkel und mit den Heiligenbildern einer ganzen katholischen Buchhandlung ausgestattet. Ganz nach dem Motto, wenn der Bus schon bald auseinander fällt, dann hilf wenigstens Gott, Jesus und die Jungfrau Maria vereint, das Ding zusammenzuhalten ;) Aber wir haben die Fahrt überstanden und das war auch nicht das erste Mal in so einem Bus :D

Zelten am Fuß des Cotopaxi mit Lagerfeuer-Vorbereitungen
In Latcunga machten wir dann unsere Tour fest für 180 $ und gingen früh ins Bett, um für den nächsten Tag voll ausgeschlafen und fit zu sein. Wir frühstückten gemütlich und gut - die vom Hostal wussten echt, was Backpacker brauchen! - um um 10 Uhr das Gletscherequipment anzuprobieren. Voll ausgestattet und ausgecheckt vertrödelten wir trotzdem im Hostal die Zeit bis zum Mittagessen und unserem Versorgungseinkauf, denn Wasser und Energiesnacks wie Schokolade und Obst sind die einzigen exklusiven Dinge bei der Tour. Um 14 Uhr lernten wir dann unseren Guide kennen, der sogar fließend Deutsch sprach! Nachdem das Auto beladen war - wobei Auto echt untertrieben ist, einem Laster kam das Ding schon näher :D - tuckerten wir los zum Nationalpark. Und das übertraf den Quilotoa-Bus nochmal um Längen. Beim Beschleunigen machte das Riesenauto jedesmals äußerst komische und beunruhigende Geräusche, das war ja noch ganz in Ordnung, wenn das normal gewesen wäre. Als unser Guide aber dann beim Chef anrief, um sich zu vergewissern, dass das Autoding immer so klingt oder eher stöhnt, hat mich das dann schon minimal beunruhigt :D Aber es ist zum Glück nichts passiert ;)
Gegen 16 Uhr kamen wir dann am Zeltplatz an und schlugen unser Lager auf. Während unser Guide nochmal zurück zum Parkeingang fuhr, sammelten Kathrin und ich Holz für ein kleines Lagerfeuer. Während es in den letzten Sonnenstrahlen noch total warm war, waren wir nur eine halbe Stunde später überglücklich unser Feuerchen zu haben :D Nach einer guten Portion Reis wurden die Steigeisen für den Gletscher eingestellt und dann ging es ab ins Zelt - ein paar Stunden so tun, als ob man schlafen würde :) Um 22:30 Uhr klingelte  nämlich schon wieder der Wecker: Zelt abbauen, Bergsteig-Ausrüstung anlegen, eine Kleinigkeit frühstücken und mit dem Auto-Etwas zum höchsten Parkplatz fahren.
Das Refugio
Ziemlich genau um Mitternacht begann dann das richtige Abenteuer. In mein Fleece, darüber die Softshell-Jacke und getoppt von der Regenjacke eingekuschelt verharrten wir zuerst noch im Auto, was vom starken Wind schon auf dem Parkplatz richtig umhergeschaukelt wurde. Gegen halb eins Uhr MORGENS wagten wir uns dann aus dem Wagen und standen etwa eine Stunde später vor dem einzigen beleuchteten Objekt in der Gegend - dem Refugio auf 4.810 m. Ein letzter Klogang und ein zweites kleines Frühstück mit der einzigen anderen Bergsteigergruppe des Tages aus Österreich (!) bevor es weiterging. Einer der Österreicher blieb gleich im Refugio, da er schon jetzt die Höhe merkte. Ich war zwar auch mit etwas Kopfschmerzen aufgewacht, aber das dumpfe Gefühl schob ich in den hintersten Winkel meines Bewusstseins ;) Der andere Österreicher folgte uns mit seinem Guide, obwohl er sich mit einem beinahe gebrochenem Bein gen Gipfel mühte.
Die Seilschaft bei Nacht
Eine weitere Dreiviertelstunde später gelangten wir dann an den Gletscher! Hier mussten die Steigeisen und Gamaschen angelegt und wir angeseilt werden. Und mit dem Eispickel als Wanderstock setzte sich die Seilschaft wieder in Bewegung, immer dem Gipfel entgegen. Während der Österreicher uns bald überholt hatte, kam er auch bald wieder zurück. Der Fuß wollte ihn einfach nicht bis zum Gipfel tragen, ist ja auch nicht ganz unverständlich ;) Wir dagegen setzten unsere Wanderung fort. Man musste eigentlich immer "nur" weiterlaufen. Das Ganze aber auf keinem Pfad, sondern einfach den verschneiten Hang hoch! Das merkt man dann schon gut in den Wadeln, während meine Höhenkopfschmerzen verschwanden :D Dazu kam, dass meine Stirnlampe - möglicherweise aus Protest gegen die Kälte - ausfiel, da war der Guide sehr begeistert. Und mich traf nun das Los, als Letzte der Gruppe im Dunkeln hinterher zu stolpern. Aber schon auf dem Weg konnte man die Lichter von Latcunga und Quito sehen - atemberaubend :)!
Gegen halb fünf Uhr machten wir dann auf meinen Wunsch eine Schoki-Pause und als Strafe fraß der Cotopaxi meinen Handschuh :P Also ab jetzt ohne Licht und die rechte Hand nur in einen Fleecehandschuh verpackt weitermachen! Aber gegenüber dem Wunsch den Gipfel zu erreichen, sind das ja nur Nebesächlichkeiten ;)
Nicht viel später, dann so gegen fünf Uhr, die schlechte Nachricht: vor uns lag eine Eisplatte mit frischem, lockeren Schnee bedeckt - absolute Lawinengefahr! Der Cotopaxi mochte an diesem Tag wohl nicht bestiegen werden! Auf 5.322 Höhenmetern setzten wir zum Abstieg an. Auf dem Rückweg gönnten wir uns nochmal ein paar kleine Pausen - wenn man schon mal so weit oben ist ;)! - und sogar meine Stirnlampe funktionierte wieder - sehr nützlich, wenn es eh hell wird :D - aber dennoch ging das wesentlich schneller. Schon um kurz vor sieben saßen wir im Wagen und kehrten dem Cotopaxi den Rücken zu.
Wieder zurück im Hostal bekamen wir als Entschädigung dafür sogar noch ein Frühstück, obwohl wir ja eigentlich schon am Vortag ausgecheckt hatten :D Und auch der verlorene Handschuh wurde uns nicht angerechnet...10% Verlust eben :D Wir chillen gerade noch den restlichen Tag im Hinterhof/-garten des Hostals bis wir uns am Abend zum zweiten Stopp unseres Kurzurlaubs aufmachen werden.
Auch wenn wir nicht oben am Gipfel waren, die Cotopaxi-Wanderung war ein echtes Erlebnis! Wir haben es zumindest versucht ;D
 
Besteigung und danach Chillen im Hostal :D

Montag, 9. März 2015

Zwischenseminar in El Limonal - eine Woche in der Blase

Es war einmal in der ersten Märzwoche des Jahres 2015 eine Gruppe von 15 deutschen Freiwilligen, welche sich in El Limonal, Ecuador trafen. So oder so ähnlich könnte man in unser Zwischenseminar einleiten :D
Letztendlich war es so, dass wir bereits am Wochenende nach Quito gereist waren und am Sonntag dann "nur noch" bis nach El Limonal mussten, welches zwischen Bergen und Küste liegt. Dazu muss man aber erstmal vier Stunden bis Ibarra fahren und von dort geht es dann nochmal zwei Stunden bis zum Ziel mit einem Bus, der in jedem Kuhdorf hält :D Nach einem guten halben Tag reisen, kamen wir in El Limonal an, was genauso ein Kuhdorf ist, wie alle anderen außenherum :D Natürlich regnete es bei unserer Ankunft, sodass wir auf dem weiteren Kilometer bis zu Bospas richtig nass wurden. Ich hatte da wenigstens noch den Vorteil, dass ich auf dem unbefestigten Weg nur meinen Rucksack tragen musste und keinen Trolly hatte.
In Bospas angekommen, waren schon ein paar Freiwillige vor Ort, die auch schon das "Baumhaus" mit genialem Blick für sich in Beschlag genommen hatten, also kamen wir im Haupthaus unter. Bospas heißt eigentlich "Boque de paz", was soviel bedeutet wie Friedenswald. Dabei geht es nicht um einen Friedhof, sonder ganz im Gegenteil im Einklang mit der Natur zu leben. Das Projekt und auch Gelände gehört einem niederländischem Auswanderer Pete, der glaub ich schon 20 Jahre in Ecuador ist und dort auch eine Familie gegründet hat. Bis vor ein paar Jahren war das auch eine Projektstelle von weltwärts. Es ist auf jeden Fall durch die Renaturierung ein wunderschönes und ruhiges Fleckchen Erde.
Am Sonntag stand nur Ankommen und Kennenlernen an, aber dafür ging der Montag gleich damit los, dass unsere Leiter - ehemalige weltwärts-Leute von Alegro e.V. - uns einen Hügel hochscheuchten :D Oben angekommen hatten sich die Mühen auf jeden Fall gelohnt, denn als wir "Pacha Mama!" (Mutter Erde) schreiend über dem Tal standen, fühlte sich das einfach nur genial an. Frisch geduscht, gab es dann wieder unten das beste Frühstück, was ich in Ecuador je hatte...und so ging es die Woche weiter :D Es kann ja nur gut werden, wenn sich die besten ecuadorianischen Sachen mit den deutschen Frühstücksbestandteilen mischen :D Letztendlich hat aber bestimmt auch zu einem großen Teil die interessanten Gespräche die Mahlzeiten so schön gemacht!
Nachdem wir also am ersten Tag auf den Hügel geschickt wurden, begannen wir die anderen Tage mit Yoga auf dem Dach, von wo aus man ebenfalls einen super Blick übers Tal hatte :D! Tagsüber hatten wir verschiedene Einheiten zum Thema Berichterstattung, Auswertung der bereits vergangenen Hälfte und Perspektiven sammeln für die zweite Hälfte des Freiwilligen-Dienstes. Nebenbei schauten wir hin und wieder auch mal ins Dorf hinunter und lernten dort auch ein paar Leute mit ihren Geschichten kennen. Fast jeden Tag hatten wir auch Dozenten von außerhalb da, welche uns Vorträge über politische Beteiligung und Pete über sein Projekt hielten. Besonders schön war dabei eine Nachtwanderung und eine Wanderung tagsüber über das riesige Gelände!

Den vorletzten Tag hatten wir dann einen Ausflug zu den "Siete Cascadas" (Sieben Wasserfälle). Dazu sind wir eine Stunde auf der Ladefläche eines kleinen Lkws bis in die Provinz Esmeraldas gefahren - eine lustige Angelegenheit :D! Dort hat uns dann ein Führer zu den sieben Wasserfällen geführt und wir konnten neben der Wanderung auch Baden und von Felsen springen :D So vergnügten wir uns den Tag mit unserer Gruppe, die aus drei Jungs und zwölf Mädchen bestand aus drei unterschiedlichen Organisationen.
Am letzten Tag beschäftigten wir uns dann nochmal intensiv mit den Zukunftsperspektiven. Echt interessant, was alle so für Pläne haben und was wir uns alles aus Ecuador mitnehmen :)
In der letzten Nacht feierten wir dann in den Geburtstag von einem Freiwilligen rein, tanzten barfuß auf Waldboden und sangen - oder wohl eher - schrien wieder "Pacha Mama!".

Es war ein seeeeeehr schönes Seminar, was mir viel Energie für die zweite Hälfte gegeben hat! Durch die Isolation in diesem Mini-Dorf hatten wir auch unsere eigene deutsche Blase mit viel Ruhe, interessanten Gesprächen und Zeit zum Nachdenken. Und nicht zuletzt das Essen war einfach der Hammer! Die ganze Woche gab es vegetarische Gerichte ohne Reis - man glaubt es kaum, eine Woche in Ecuador ohne Reis :D!!
Und das schönste ist, dass ich Lilo und Hanna, mit denen ich mich super verstanden hab, im Mai auf der Yasuní-Reise wiedersehen werde :D!!




Mittwoch, 7. Januar 2015

Familienzuwachs und Día de los Inocentes - immer viel los!

Kaum selber im neuen Jahr angekommen, bekamen wir auch gleich Familienzuwachs!
Nachdem der Hausgroßputz endlich am ersten Wochenende des neuen Jahres für erledigt erklärt werden konnte, rief eigentlich noch in den letzten Putzeinheiten Virginia aus Quito an. Sie ist die Koordinatorin der Freiwilligen der Organisation Chiriboga, welche auch Freiwillige in unser Projekt schicken, aber keine weltwärts-Freiwillige, sondern nur für einige Monate. So kam es, dass auf Virginias Bitte Juanitos Zimmer für einen weiteren deutschen Freiwilligen umfunktioniert wurde, da unsere Wohnhälfte schon ausgelastet ist. Folgendermaßen standen wir also relativ spontan am 5. Januar um 6:30 Uhr MORGENS - noch vor der Arbeit! - am Terminal und warteten auf einen Robert, der aus Quito ankommen sollte.
Um 7:30 Uhr kam mein neuer Gastbruder dann auch endlich an. Robert kommt aus Münster, ist 19 Jahre alt und wird bis Mitte Juni in unserer Familie bleiben. Mehr konnte ich dann auf dem kurzen Weg mit dem Taxi vom Terminal nach Hause auch nicht aus ihm herausbekommen, da ich nämlich zur ersten Reunión des Fundaciónsteams musste. Also ließ ich ihn daheim zum Frühstücken zurück und machte mich auf in die Fundación.
Betty hatte nicht zu Unrecht darauf bestanden, dass ich zur  Reunión erscheinen sollte, anstatt mich um Robert zu kümmern - der eh müde war. Wir sprachen über unsere Lehren, die wir aus dem alten 2014 zogen, und den neuen Zielen für 2015. Dabei kündigte Betty an, dass sie nur noch bis Mitte Januar als Directorin in der Fundación anwesend sein wird. Eine Gallen-OP zwingt sie zu einer Auszeit, welche sie auf drei Monate verlängern wird, um nach der OP mit Reha in Frankreich ihre krebskranke Schwester zu besuchen und ihr beizustehen.
Mit Robert über den Dächern von Cuenca
Nachdem diese Neuigkeit also von allen aufgenommen worden war, gab sie mir für den Nachmittag, also ab Beendigung des Mitttagessens im Comedor frei, um Robert zur Seite zu stehen und ihm schon mal etwas von Cuenca zu zeigen. Als ich aber nach Hause kam, schlief dieser dann noch tief und fest. Also überlegt ich mir zumindest, was ein Neuankömmling am Anfang braucht und sehen sollte bzw. was man ihm so zeigen könnte. Da erinnerte ich mich stark an meinen Anfang, irgendwie noch total präsent und doch schon so lange her :D
Diesen Nachmittag schafften wir also echt nichts mehr, aber ich besprach zumindest mit ihm die weitere Vorgehensweise und machte mich dann am nächsten Morgen mit ihm auf den Weg. Wir fuhren gemeinsam mit dem Bus nach Turi hoch und nachmittags nahm ich ihn zum Vorstellen mit in die Fundación. Robert sollte gleich am nächsten Tag anfangen nachmittags zu arbeiten und die freien Vormittage nutzen, um sein Spanisch zu verbessern. Also nahm ich ihn am nächsten Tag, dem Mittwoch gleich mit zu unserer Spanisch-Stunde und am Nachmittag spielte er schon mit den Kindern.
Am Abend machte sich dann bemerkbar, dass seine helle, wintergewohnte Haut doch wohl etwas stark von der äquatorialen Sonne geküsst worden war. Sorayas Urteil: Bevor die Verbrennung mit schon Brandblasen noch schlimmer wird, am folgenden Tag keinen Schritt aus dem Haus, nichtmals zur Arbeit! Da war er gerade den ersten richtigen Tag in der Fundación und dann gleich krank daheim. So ein Pech!
Der Donnerstag, dem 6. Januar war dann Día de los Innocentes. An diesem Tag wird anstatt in Deutschland der Heiligen Drei Könige den unschuldigen Babys gedacht, die Herodes umbringen ließ, in der Hoffnung auch Jesus damit zu töten. Das ist die Theorie. Der Brauch dazu sieht ziemlich anders aus :) Die Menschen verkleiden sich, vorzugsweise ein Thema, was mit dem Tod zu tun hat, also in die Richtung Halloween. Außerdem gibt es dazu am Abend eine Kostümparade in der Stadt. Tagsüber waren sogar schon einige Kinder verkleidet in die Fundación gekommen, wir dagegen richteten uns erst abends her. Soraya ließ ihre künstlerischen Fähigkeiten spielen und verwandelte uns alle in einmalige Kreaturen, sogar für den Sonnen-geküssten Robert hatte sie eine Lösung: eine kleine Fledermaus an der Schläfe. Kathrin wurde dagegen mit einer venezualischen Maske versehen und ich verwandelte mich in einen mexikanischen Totenkopf. Obwohl mir Totenköpfe allgemein nicht so zusagen, fand ich das Motiv wirklich sehr schön.

Día de los Inocentes und seine Fratzen :)
Als wir dann alle geschminkt und ausgehfertig waren, war dann allerdings die Parade auch schon zu Ende...tja :D Also spazierten wir einfach so durch die Straßen, ließen das Flair auf uns wirken und machten natürlich Fotos von unseren gelungenen Maskierungen.
Ihr seht also: Hier bei mir ist immer was los!

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Baños, ein Ort zum Verrücktwerden...oder schon sein :D!?

Am Freitag, 10. Oktober hatten wir dann auch einen Feiertag, eine Woche nach Deutschland :)! Bei uns wird hier eigentlich am 9. Oktober die Unabhängigkeit von Guayaquil gefeiert. Hier ist man aber aufgrund fehlender Brückentage dazu übergegangen, die Feiertage zu entsprechend langen Wochenenden zu verschieben :D Das kam uns natürlich zu gute und wir planten äußerst spontan - also am Donnerstagabend nach der Arbeit :D - unsere Reise von Freitag bis Sonntag nach Baños.
Die Planung war ein hin und her! Aufgrund des Feiertags wollten wir schon im voraus ein Hotel reservieren, was ansonsten nicht nötig ist. Also Telefon in die Hand und Finger wund wählen...denn wir hatten echt Pech und haben kein passendes Hostel finden können, was uns aufnehmen wollte. Also Planänderung: Wir würden in Ambato, wo wir eine Stunde von Baños entfernt umsteigen müssten, ein Hostel anfragen und falls wir dann vor Ort wirklich nichts finden sollten eben wieder zurück kommen und in Ambato bleiben. Wir verabschiedeten uns, damit jeder packen konnte und Kathrin wollte nochmal Hostels anrufen, während ich mich um einen Bus kümmern wollte.
Da lauerte das nächste Problem. Die Busunternehmen hatten entweder keine Plätze mehr oder gingen schon gar nicht mehr ans Telefon...super! Fast hätten wir unseren Plan umgeschmissen, da fanden Soraya und ich noch eine Verbindung mit Kontingente! Also schnell um kurz vor 22 Uhr hin zum Terminal und Tickets kaufen! Mit schnell war aber dann nichts...fast eine Stunde bangte ich in der Warteschlange um unsere Plätze im Bus um 3:20 Uhr nach Quito. Soraya "pöbelte" schon die Angestellte an wegen der unverschämt langen Wartezeit. Am Ende hat es dann aber noch geklappt, sodass ich den Rest der Nacht damit verbrachte das Nötigste - endlich mal sein Einsatz - in den Tramperrucksack zu stopfen :)
Die Fahrt nach Ba
ños verlief dann ohne große Besonderheiten und wider erwarten haben wir gleich beim Hauptplatz ein passendes Hostel gefunden. Glücklich über diese positive Wendung stürzten wir uns gleich ins nächste Abenteuer: am Nachmittag sollte es zum Canyoning für uns beide gehen :) Das bedeutet auf deutsch: Man zwängt sich in einen Neoprenanzug und ausgestattet mit Chucks-ähnlichen Schuhen, Helm und Sicherheitsgurt stürzt man sich verschieden hohe Wasserfälle herunter...okai...man läuft langsam abgeseilt herunter ;) Nur den letzten der vier Wasserfälle sind wir mehr oder weniger heruntergesprungen...und zwar gleich 45 m :D!
Das Ganze war echt superlustig und auch nur wenig kalt :) Danach gab es ja auch leckeren Tee und salziges Popcorn, nennt sich Cangil. Das mag ich mittlerweile ziemlich gerne *-* Unsere Gruppe bestand aus fünf Leuten aus Loja, die dort in einem Englisch-Sprachzentrum arbeiten, zwei ausgewanderten Spaniern jetzt aus Quito, uns und den zwei Führern. Man glaubt es kaum, aber während manche Leute hier nicht mal wissen, dass man in Deutschland deutsch spricht - okay, wir sind ja auch nicht besser, manche vermuten Ecuador in Afrika - konnte einer der Führer deutsch aufgrund eines dreimonatigen Aufenthalts in meiner Heimat und einer der Lojaner hat gleich ein ganzes Jahr in Osnabrück sozial gearbeitet... Die Ecuadorianer sind zum Teil echt international :D!
Nach dem letzten Sprung vom Wasserfall war dann auch mehr oder weniger klar, dass wir uns am nächsten Tag an Puenting wagen würden. Am Abend versuchten wir uns noch etwas Mut anzutrinken... eigentlich war das nicht nötig, wir wollten nur das bekannte Nachtleben von Ba
ños austesten ;) Bei der Gelegenheit trafen wir die Lojaner nochmal wieder und lernten den anderen Teil der Gruppe auch noch kennen: Praktikanten aus England!
Die trafen wir am nächsten Tag auf der Brücke dann gleich wieder :D Aufgrund von Regen verzögerte sich der Sprung etwas, aber irgendwann war es dann so weit :O Das Gefühl ist aber echt der Wahnsinn :D Man steht auf einer Plattform über einem reißenden Fluss, dazwischen 300 m nichts! Einer vom Personal zählt von drei runter, dann springt man mit ausgestreckten Armen ab und fällt, fällt, fällt bis das Seil ganz gedehnt ist und man anschließend unter der Brücke pendelt. Video seht ihr unten ;)
Nach diesem Adrenalin-Kick boten uns die Leute vom Sprachzentrum an, sie in ihrem gemieteten Bus nach Puyo im Dschungel zu begleiten. Gerne wären wir mitgefahren, denn schon Ba
ños als "Tor zum Oriente" (wird hier in Ecuador als Dschungel verstanden) hat uns von der Flora und Fauna begeistert. Die andern wollten aber über Nacht im Bus schlafen, während wir ja unser Hostel in Baños hatten. Also wurde unser Puyo-Ausflug vertagt. Den freien Nachmittag nutzten wir dann also für eine Stadterkundung und wurden Zeugen einer Taufe in der örtlichen Kirche :) Abends stand dann obligatorisch der Besuch der Bäder an, schließlich ist dieses Wasser heilig für die dortige Bevölkerung. Das liegt daran, dass es erhitztes Thermalwasser vom Vulkan Tungurhaua ist, der über Baños wacht. Dieser war leider während unseres gesamten Aufenthalts in Wolken gehüllt. Als wir dann in die Becken abtauchen wollten, traf uns beinahe der Schlag! Das Wasser ist nicht nur warm, sondern fast siedend heiß!! Das erklärt auch die kalten Becken nebendran ;) Mir als Sauna-Fan hat das natürlich total gefallen und, wenn mich demnächst die Saunafreude packt, reise ich einfach wieder nach Baños :P
Zum krönenden Abschluss des Abends ging es nochmal zum Feiern und zum ersten Mal machte ich die Bekanntschaft mit Latinos in der Disco. Ich muss aber sagen, dass mir die Latinos ziemlich aufdringlich erscheinen, während man von Deutschland dagegen ja eher zurückhaltende Jungs gewohnt ist. Aber auch das erweitert meinen Erfahrungsschatz zumindest um ein paar Salsaschritte, denn wir haben wirklich nur getanzt ;D!!
An unserem letzten Tag genossen wir nochmal die angenehme Atmosphäre in Baños umrahmt von den satt grünen Berg- und Vulkanhängen mit einigen Wasserfällen und den bunten Blumen überall in der Stadt. Die Rückfahrt klappte dann auch super, sodass diese Reise eindeutig Lust auf mehr vom Oriente macht!
Besitos!!




PS: Das Video von unserer ALS-Icebucketchallenge findet ihr jetzt auch unterhalb des Eintrags "Fortsetzung folgt..." ;)!