Nachdem ich hier schon ein halbes Jahr verweile, gibt es ja dann schon mal die ein oder anderen Momente, an denen man vor lauter Reis, Reis, Reis, doch mal wieder richtig typisch deutsch bzw. bayerisch essen möchte. Daher haben Kathrin und ich mittlerweile schon so das ein oder andere Café oder Restaurant in Cuenca mit deutschem Essen aufgespürt - das ist gar nicht so schwer - und ich habe in Ecuador angefangen zu kochen, deutsch zu kochen :D. Und bei diesen Beispielen beschränke ich mich gerade nur auf's Essen! Man sieht also, dass es selbst in Cuenca einige deutsche Spuren gibt und da möchte ich euch auf eine kleine Entdeckungstour einladen ;)!
Meine erste Entdeckung machte ich schon so ziemlich am ersten Tag, als Soraya mit mir das Stadtzentrum besichtigen ging. Fast direkt am zentralen Parque Calderón und unumgänglich auf unserem Weg von der Straße Padre Aguirre zum Park befindet sich das deutsche Konsulat in einem wunderschönen Haus im Kolonialstil im 1. Stock über einer Apotheke, die wird später noch wichtig! Für euch mag das vielleicht jetzt nicht so überraschend klingen, aber es ist irgendwie schon ein Stück Heimat, wenn man in seiner eigenen Stadt eine deutsche Behörde sitzen hat und jedesmal, wenn ich dort vorbeikomme - ist aufgrund der zentralen Lage gar nicht so selten - muss ich Lächeln ;)!
Wandbild im Café Austria
Der nächste Berührungspunkt, der auch durch den Reiseführer bedingt wurde, war dann das Café Austria. Dort überbrückten wir oft unsere Wartezeit während des Visumsprozesses. Leider wechselte das Café im alten Jahr aber auch sein Lokal und jetzt fällt es mir wesentlich schwerer, es zu finden auf der Suche nach gutem Kaffee und Wiener Backwaren-Spezialitäten :) Und wenn man schon mal vom Café Austria spricht, muss man eigentlich im gleichen Atemzug auch die Wunderbar in der Calle Larga nennen, der Fuatgeh-Zone Cuencas. In beiden Lokalen kann man richtig lecker und deutsch sowie international essen. Das ist dann auch bei der Bestellung immer relativ lustig, da wir ja wissen, was wir mit "Gulasch" meinen, ob der Kellner dieses nicht-spanische Wort dann auch mit unserer deutschen Aussprache versteht, bleibt zu Hoffen.
Leckeres Tiramisu in der Wunderbar
In der Weihnachtszeit hab ich die gewohnten Leckereien am meisten vermisst! Und hier kommen wir wieder auf die schon genannte Apotheke zurück. Der Name Apotheke ist hier in Ecuador längst nicht so eng gefasst wie im Deutschen.
Neben Arzneimitteln kann man sich meistens noch mit Körperpflegeprodukten eindecken - das klingt ja noch logisch! Richtig bunt für uns Deutsche wird es, wenn daneben noch Deko- und Geschenkartikel zum Verkauf angeboten werden und man dort sogar seine Handykarte wieder aufladen lassen kann :D
Christstollen aus der Apotheke
In unserem speziellen Fall der Konsulatsapotheke ist der oder die GeschäftsführerIn mit einer/einem Deutschen verheiratet und so kommt es, dass man sogar deutsche Spezialitäten erwerben kann. Im ganzjährigen Sortiment findet man so Erdinger Weißbier und zu Weihnachten tauchte zu unserer Freude daneben ein Christstollen auf. Welch ein Genuss *-*! Manchmal geht es aber nicht so einfach, die ersehnten Köstlichkeiten einfach zu erstehen, oder es ist aufgrund der aktuellen Import-Vermeidungspolitik Ecuadors schlicht zu teuer (Beispiel: Ritter Sport Tafeln für 4 Dollar!). Dann bleibt nur eine Möglichkeit den Heißhunger trotzdem zu stillen: selbst aktiv werden :P! Also schickte ich einen verzweifelten Hilferuf nach Deutschland, dass mir doch meine liebe Mama ein Paket meiner Lieblingsrezepte schicken möge. Auf Mama ist natürlich Verlass und so kam bei der Familie Ecual bald Kartoffelsalat auf den Tisch.
Meine nächsten kulinarischen Gehversuche waren: Würstelgulasch, Kaiserschmarrn und letztendlich zur Feier des Halbjährigen sogar Spätzle! Dazu ein paar lustige Facts: Würstelgulasch kennt man hier in einer ähnlichen Version auch - nur eben mit Reis anstatt den Spirelli, war ja klar ;)! -, der Kaiserschmarrn wurde hier als Süßspeise gerade mal als Dessert anerkannt - süße Hauptgerichte kennt man nicht - und mein ganzer Stolz waren die selbstgemachten Spätzle, denn wir haben echt eine Spätzlereibe!! Bei den geladenen Mitverkostern - wir hatten Gäste - kamen die Spätzle auch super an und die Versuche, das Gericht richtig zu benennen waren zum kaputt lachen :D Deutsch ist schon eine lustige Sprache! Das wars jetzt zum Essen - ich hoffe, ihr könnt noch ruhig weiterlesen, ohne dass ihr vor Heißhunger auf eines der Gerichte meinen Blogeintrag vergesst ;)!
Ob das schmeckt!?
Denn man findet auch so noch hin und wieder deutsche Spuren in der mittlerweile für mich bekannten Fremde. Unser Lautsprecher bei der Bailoterapia ist beispielsweise aus Deutschland und in der Alkoholabteilung des Supermaxis findet man gar komische Sachen: Muttermilch...das will ich eher nicht probieren :)! Abgesehen davon läuft man auch immer wieder Menschen in die Arme, die etwas Deutsch sprechen, da sie schon mal eine Weile in Deutschland gelebt haben. Das ist wieder so ein Phänomen, das verwundert: Es gibt einige Ecuadorianer, die mit Deutschland gar nichts anfangen können à la "Grenzt das an Argentinien?" und nicht ganz so schlimm "Sprecht ihr Englisch oder welche Sprache ist das?", und dagegen gibt es dann sogar welche, die fließend Deutsch können und schon einige Zeit dort gelebt haben. Echt verblüffend! Das wars auch schon wieder und ich bin gespannt, wie es wird, wenn in 4 Monaten wieder alle deutschen Einflüsse auf mich treffen.
Am 24. März kam mich meine Familie besuchen. Ich hab mich riesig gefreut sie nach 7 Monaten endlich mal wiederzusehen! Auf meine Aufregung kann man wahrscheinlich sogar meine Darminfektion zurückführen... Ich hatte mich in der letzten Zeit viel mit unserer Route beschäftigt, um alles super durchzuorganisieren, damit meine Familie sich auch in mein wunderschönes Ecuador verliebt. Für das Kulturtreffen hatte ich diese Stationen zusammengestellt: Meine Familie würde in der Hauptstadt Quito abends ankommen, am nächsten morgen wollte ich sie dort mit meiner vorzeitigen Ankunft überraschen und dann mit ihnen die Stadt erkunden. Die nächsten zwei Tage standen Tagesausflüge von Quito zu Mitad del Mundo (Mitte der Welt - Äquator) und Otavalo (traditioneller Markt) an. Dann wollten wir uns nach Baños zum Tor zum Dschungel aufmachen, um dort zwei Tage verbringen bevor wir uns
Unsere geplante Reiseroute mit optimistischer Gesamtfahrzeit :)
richtig in den Dschungel nach Puyo wagen wollten. Nach zwei Tagen im Grünen sollte es wieder zurück in die Sierra (Gebirge) gehen nach Riobamba, wo wir mit einem der ältesten und einzigen Zug Ecuadors - natürlich heute nur zu touristischen Zwecken - die Teufelsnase erkunden wollten. Nachdem auch das absolviert wäre, würden wir am Karfreitag, dem wichtigen Ostertags hier, endlich in Cuenca ankommen und dort gleich mit der Gastfamilie feiern. Anschließend wollte meine Familie noch knapp eine Woche bis Donnerstag Morgen mit mir in Cuenca verbringen und verschiedene Tagesausflüge machen. Die Küste würden meine Eltern wohl leider nicht sehen... Damit das jetzt kein ewig langer Eintrag wird, werde ich die unterschiedlichen Stopps in einzelnen Einträgen behandeln. In diesem Eintrag werde ich mich eher auf den Gesamteindruck von meinem Familienbesuch beschränken. Es ist nämlich gar nicht so einfach seiner Familie seine neue Heimat ans Herz zu legen. Um das ganze mal auf einen Nenner zu bringen: Mein Ecuador ist halt eben doch ein Entwicklungsland und meine Familie keine Abenteurer. So kam es, dass ihnen Quito absolut gar nicht gefiel. Ich würde da mal einen Kulturschock diagnostizieren. Dadurch dass Quito keine traditionell-ecuadorianische Stadt ist und man klar westliche Einflüsse entdecken kann, neigt man als Neuankömmling wohl eher dazu sich an dem Bekannten festzuklammern und diese als Inseln zwischen Dreck, Unordnung, Lärm und Unsicherheit zu suchen. Ich hatte ja das Glück, mich schon einen Monat im ganz typisch-ecuadorianischen Cuenca an diese Umstände gewöhnen zu können, bevor ich Quito kennenlernte und dort dann die "westlichen Inseln" eher als mal willkommene Abwechslung wahrnahm.
Meine Familie im Dschungel, Alausí, Quito und Cuenca
Spätestens dann aber im Dschungel - war auch gar nicht anders zu erwarten - machte sich dann bei meiner Familie anstatt dem Kulturschock auch die Begeisterung für mein einzigartiges Land breit :D Da war ich ziemlich erleichtert!! Alausí, der Ausgangspunkt der Zugfahrt zur Teufelsnase, gefiel vorallem meiner Mama mit seinem Charme eines kleinen Sierra-Dorfes und Cuenca, als Endpunkt der Reise und meine aktuelle Heimat war für uns alle das i-Tüpfelchen auf dem "i" :) Mit dem "Athen Ecuadors" als Heimatstadt habe ich wirklich total viel Glück gehabt und das konnte ich meinen Eltern auch so weitergeben :)! Als ich meine Familie dann am Donnerstag Morgen am Flughafen wieder verabschieden musste, war die Trauer natürlich groß! Auch wenn mich die Verantwortung, für meine Familie als Reiseleiterin zu funktionieren, etwas gestresst hatte und ich teilweise mit mir nicht ganz zufrieden war, überwog natürlich die Freude für 2 1/2 Wochen wieder mit meiner Familie vereint gewesen zu sein. Daher war die Traurigkeit auch so groß, sie nach so kurzer Zeit wieder gehen lassen zu müssen. Aber wir sehen uns ja in gut 4 Monaten in meiner bayerischen Heimat wieder :)
Es war einmal in der ersten Märzwoche des Jahres 2015 eine Gruppe von 15 deutschen Freiwilligen, welche sich in El Limonal, Ecuador trafen. So oder so ähnlich könnte man in unser Zwischenseminar einleiten :D Letztendlich war es so, dass wir bereits am Wochenende nach Quito gereist waren und am Sonntag dann "nur noch" bis nach El Limonal mussten, welches zwischen Bergen und Küste liegt. Dazu muss man aber erstmal vier Stunden bis Ibarra fahren und von dort geht es dann nochmal zwei Stunden bis zum Ziel mit einem Bus, der in jedem Kuhdorf hält :D Nach einem guten halben Tag reisen, kamen wir in El Limonal an, was genauso ein Kuhdorf ist, wie alle anderen außenherum :D Natürlich regnete es bei unserer Ankunft, sodass wir auf dem weiteren Kilometer bis zu Bospas richtig nass wurden. Ich hatte da wenigstens noch den Vorteil, dass ich auf dem unbefestigten Weg nur meinen Rucksack tragen musste und keinen Trolly hatte. In Bospas angekommen, waren schon ein paar Freiwillige vor Ort, die auch schon das "Baumhaus" mit genialem Blick für sich in Beschlag genommen hatten, also kamen wir im Haupthaus unter. Bospas heißt eigentlich "Boque de paz", was soviel bedeutet wie Friedenswald. Dabei geht es nicht um einen Friedhof, sonder ganz im Gegenteil im Einklang mit der Natur zu leben. Das Projekt und auch Gelände gehört einem niederländischem Auswanderer Pete, der glaub ich schon 20 Jahre in Ecuador ist und dort auch eine Familie gegründet hat. Bis vor ein paar Jahren war das auch eine Projektstelle von weltwärts. Es ist auf jeden Fall durch die Renaturierung ein wunderschönes und ruhiges Fleckchen Erde. Am Sonntag stand nur Ankommen und Kennenlernen an, aber dafür ging der Montag gleich damit los, dass unsere Leiter - ehemalige weltwärts-Leute von Alegro e.V. - uns einen Hügel hochscheuchten :D Oben angekommen hatten sich die Mühen auf jeden Fall gelohnt, denn als wir "Pacha Mama!" (Mutter Erde) schreiend über dem Tal standen, fühlte sich das einfach nur genial an. Frisch geduscht, gab es dann wieder unten das beste Frühstück, was ich in Ecuador je hatte...und so ging es die Woche weiter :D Es kann ja nur gut werden, wenn sich die besten ecuadorianischen Sachen mit den deutschen Frühstücksbestandteilen mischen :D Letztendlich hat aber bestimmt auch zu einem großen Teil die interessanten Gespräche die Mahlzeiten so schön gemacht! Nachdem wir also am ersten Tag auf den Hügel geschickt wurden, begannen wir die anderen Tage mit Yoga auf dem Dach, von wo aus man ebenfalls einen super Blick übers Tal hatte :D! Tagsüber hatten wir verschiedene Einheiten zum Thema Berichterstattung, Auswertung der bereits vergangenen Hälfte und Perspektiven sammeln für die zweite Hälfte des Freiwilligen-Dienstes. Nebenbei schauten wir hin und wieder auch mal ins Dorf hinunter und lernten dort auch ein paar Leute mit ihren Geschichten kennen. Fast jeden Tag hatten wir auch Dozenten von außerhalb da, welche uns Vorträge über politische Beteiligung und Pete über sein Projekt hielten. Besonders schön war dabei eine Nachtwanderung und eine Wanderung tagsüber über das riesige Gelände! Den vorletzten Tag hatten wir dann einen Ausflug zu den "Siete Cascadas" (Sieben Wasserfälle). Dazu sind wir eine Stunde auf der Ladefläche eines kleinen Lkws bis in die Provinz Esmeraldas gefahren - eine lustige Angelegenheit :D! Dort hat uns dann ein Führer zu den sieben Wasserfällen geführt und wir konnten neben der Wanderung auch Baden und von Felsen springen :D So vergnügten wir uns den Tag mit unserer Gruppe, die aus drei Jungs und zwölf Mädchen bestand aus drei unterschiedlichen Organisationen. Am letzten Tag beschäftigten wir uns dann nochmal intensiv mit den Zukunftsperspektiven. Echt interessant, was alle so für Pläne haben und was wir uns alles aus Ecuador mitnehmen :) In der letzten Nacht feierten wir dann in den Geburtstag von einem Freiwilligen rein, tanzten barfuß auf Waldboden und sangen - oder wohl eher - schrien wieder "Pacha Mama!". Es war ein seeeeeehr schönes Seminar, was mir viel Energie für die zweite Hälfte gegeben hat! Durch die Isolation in diesem Mini-Dorf hatten wir auch unsere eigene deutsche Blase mit viel Ruhe, interessanten Gesprächen und Zeit zum Nachdenken. Und nicht zuletzt das Essen war einfach der Hammer! Die ganze Woche gab es vegetarische Gerichte ohne Reis - man glaubt es kaum, eine Woche in Ecuador ohne Reis :D!! Und das schönste ist, dass ich Lilo und Hanna, mit denen ich mich super verstanden hab, im Mai auf der Yasuní-Reise wiedersehen werde :D!!
Ich kann es kaum glauben, auf der Datumsanzeige steht der 22. Februar 2015, sechs Kalenderblätter von Marias Geschenk sind umgeblättert und auch die Hälfte meines Reisetagebuches von Sophia ist erreicht. Ich habe vieles erlebt, aber noch so viel vor - eins steht aber unweigerlich fest: es ist Halbzeit. Aufgrund unseres Rückfluges schon am 18. August, ist die meiste Zeit also wirklich rum. 184 Tage habe ich bereits in diesem wunderbaren Land verbracht und mir kommt es längst nicht so lange vor. In dieser Zeit wurde ich von zuvor unbekannten Krankheiten und Parasiten heimgesucht, hab mir also meine Haare abgeschnitten, mir wurde mein Handy geklaut, ich habe mehr oder weniger wöchentlich meine Wäsche mit der Hand gewaschen und fast täglich mit meinem Laptop gekämpft, bis er mir am Mittwoch den Schock des Lebens eingejagt hat und ich ihn schon für tot erklärt hatte. ABER: In dieser Zeit habe ich auch neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen, ich bin an meinen Aufgaben gewachsen, sei es mit der Arbeit in der Fundación oder mit den täglichen Hürden einer anderen Sprache, ich bin an verschiedenste Ort gereist, habe andere Feste gefeiert und eine neue Familie gefunden. Ich habe ein Land kennengelernt mit seinen Höhen und Tiefen. Dort habe ich Wurzeln geschlagen. In meinem Ecuador. Ein Teil von meinem Leben. Auf der einen Seite bin ich traurig, dass über die Hälfte meines Aufenthaltes schon vorbei ist, aber wenn ich sehe, was ich in den letzten sechs Monaten so erlebt habe, ist da doch noch einiges drin, oder :)? Um diese Marke zu feiern und vor allem um mich abzulenken, damit ich nicht in Traurigkeit verfalle, habe ich heute nach erfolgreicher und überglücklicher Wiederbelebung meines Laptops Käsespätzle für meine Familie gekocht. Anscheinend erlerne ich noch im Ausland nach deutscher Art zu kochen :D! Heute am eigentlichen Jubiläumstag fahre ich mit Kathrin in das Lederdorf Gualaceo und zum Ausklang geht es nach Banos de Cuenca in einen "Wellness-Tempel", mein Geburtstagsgeschenk an Kathrin. Man muss ja auch mal genießen ;)! Zum Halbjährigen gibt es auch wieder einen Bericht: Hier geht's lang! Macht euch also um mich keine Sorgen und bereitet euch schon darauf vor, dass ihr die längste Zeit eure Ruhe vor mir gehabt hattet :D!
Nachdem Robert sich also etwas eingelebt hatte und der erste Sonnenbrand abgeheilt war, schnappte ich mir meinen frisch gebackenen großen Bruder, um mein Reisedefizit gegenüber Kathrin etwas abzubauen :D Und da Kathrin nach ihrer Dezember-Reise so von Guayaquil geschwärmt hatte und Robert eh nach Strand war, dachte ich mir, dass sich das doch ganz gut verbinden ließe. Also saßen wir am Samstag Morgen bzw noch Nacht um 5 Uhr im Bus nach Guayaquil. Dort kamen wir dann morgens am Terminal an und machten uns auf die abenteuerliche Suche nach einem Bus, der uns Richtung Stadtzentrum bringen würde. Wer also vorher schon etwas den Reiseführer studiert hat und sich mit anderen über Hostels ausgetauscht hat, liegt also klar im Vorteil. Mit diesen Vorkenntnissen, kamen wir also sicher in der Nähe des von Kathrin empfohlenen Hostels an. Uns wurde tatsächlich nichts im Bus geklaut in der so ziemlich unsichersten Stadt Ecuadors!
Leguane in der Stadt und einiges mehr zu entdecken!
Das Hotel erwies sich echt als Glücksgriff. Für einen unschlagbaren Preis bekamen wir ein funktionales Doppelzimmer mit getrennten Betten und Ventilator. Wie nützlich dieser noch seien sollte, sollten wir auf der Stadtbesichtigung noch merken. Wir luden nun unser Gepäck im Zimmer ab und rüsteten uns um für die Stadttour, vor allem kleidungstechnisch war das von Nöten. Der Klimaunterschied zwischen Sierra, also andiner Zone und Costa, der Küsteregion ist unfassbar. Nach einem Frühstückjoghurt aus dem nahen Supermarkt Tía, welchen wir im gegenüberliegenden Park verspeisten machten wir uns also auf, um im vom Führer für drei Stunden angesetzten Stadtrundgang Guayaquil kennen zu lernen. Der Rundgang war echt superschön! Wir trafen Leguane im Park, in einer Kirche wurde ich von einem Schönstatt-Altar an meine frühe Jugend erinnert, wir sahen die alte Universität im Kolonialstil, den eiffelturm-ähnlichen Glaspalast und schlenderten den Malecón, also die Strandpromenade entlang. Spätestens hier bemerkte man die Wasserverkäufer, die mit Paketen von
Unterwegs am Malecón 2000 Río Guayas
Wasserflaschen im Schatten ihre Kundschaft versorgten. Das war aber auch äußerst nötig. In dieser schwülen Hitze lief man von Schatten zu Schatten und ließ sich auf jeder Sitzgelegenheit nieder. So besuchten wir sogar eine klimatisierte Mall, einfach um der Schwüle für einen Augenblick zu entkommen. Am Malecón sahen wir noch andere imposante Kolonialbauten und einen arabischen Uhrenturm. Diese Stadt ist echt vielfältig, sogar an Touristen. Man wird längst nicht so sehr als Ausländer wahrgenommen oder sogar angestarrt, wie im traditionellen Sierra-Städtchen Cuenca. Das Tageshighlight war dann unsere Verlängerung des Spaziergangs am Malecón bis zum Cerro de Santa Anna (Hügel der St. Anna), zu dessen Füßen das Künstlerviertel Las Penas liegt. Dort schlenderten wir von einem Atelier zum nächsten und genossen die nachmittägliche Ruhe. Dazu muss man sagen, dass man auf dem Rundgang überall Wachen begegnete und sich daher echt ruhig und sicher bewegen konnte. Daher ließen wir uns auch dazu verleiten beim Aufstieg zur Kapelle der St. Anna mal etwas vom Weg abzukommen und so durch die etwas abgelegeneren, sehr privaten Innenhöfe der Familien des Viertels zu laufen. Nach 444 Stufen kamen wir dann auch endlich oben an, wo ein Aussichtsturm - natürlich mit weiteren Stufen - einen herrlichen Blick über Guayaquil ermöglichte. Zum Glück schwang das Wetter etwas um und wir genossen einen kühlen Wind dort oben und beim Abstieg und Heimweg kühlten uns fast noch ein paar Tropfen ab.
Das Künstlerviertel mit Ausblick über die Stadt
Im Hotel kamen wir aber dennoch leicht feucht an, wenn nicht vom Regen, dann noch von der vorhergehenden Schwüle. Also ab in die Dusche um danach das Abendprogramm zu bestreiten: Am Flussufer des Guayas zu Abendessen und danach mit Cocktail und Bier den Abend ausklingen lassen. Somit konnte ich Guayaquil auch auf meiner Liste abhaken :D! Da uns aber noch ein Tag zur Verfügung stand, machten wir uns am nächsten Tag
Kleiner Strandtrip nach Salinas
auf nach Salinas, dem nächst gelegenen Strand von Guayaquil. Mit dem Bus dorthin durchquerten wir sogar eine atemberaubende Kakteenwüste. Mittags kamen wir dann mit allem Gepäck dort an und genossen einfach das Meer! Baden, lecker Essen, lesen und am Abend ging es dann auch wieder entspannt zurück. Zum Glück hatten wir so viel Gelassenheit getankt, denn im Terminal an der Küste wartete ein Haufen Wochenendtouristen, die alle das gleiche Ziel hatten wie wir: zurück nach Hause und zwar über den Knotenpunkt Terminal Guayaquil. Da mussten wir eben etwas längere Wartezeiten in Kauf nehmen, aber was solls :) Wir waren zum Glück nicht in der Lage, wie ein amerikanisches Ehepaar, welches seine Freunde vor Ort besucht hatte und einen Flieger zu erreichen hatte. Diesen konnten wir zum Glück helfen, indem wir sie vor uns in die Schlange einschleusten, ansonsten wäre der Flieger weg. Wir fuhren dann also entspannt über Nacht zurück und ich bestritt am nächsten Tag sogar in aller Frühe die Reunión. Da kam dann glücklicherweise heraus, dass Betty doch nicht operiert werden muss und uns somit noch zwei Wochen erhalten bleiben wird, bis sie nach Frankreich fliegt. Wenigstens eine Sorge weniger, nachdem Marco am Freitag endgültig das Handtuch schmiss und wir nun ohne Educador da standen. Hoffentlich hält die Strandurlaub-Gelassenheit noch etwas an :)!
Kaum selber im neuen Jahr angekommen, bekamen wir auch gleich Familienzuwachs! Nachdem der Hausgroßputz endlich am ersten Wochenende des neuen Jahres für erledigt erklärt werden konnte, rief eigentlich noch in den letzten Putzeinheiten Virginia aus Quito an. Sie ist die Koordinatorin der Freiwilligen der Organisation Chiriboga, welche auch Freiwillige in unser Projekt schicken, aber keine weltwärts-Freiwillige, sondern nur für einige Monate. So kam es, dass auf Virginias Bitte Juanitos Zimmer für einen weiteren deutschen Freiwilligen umfunktioniert wurde, da unsere Wohnhälfte schon ausgelastet ist. Folgendermaßen standen wir also relativ spontan am 5. Januar um 6:30 Uhr MORGENS - noch vor der Arbeit! - am Terminal und warteten auf einen Robert, der aus Quito ankommen sollte. Um 7:30 Uhr kam mein neuer Gastbruder dann auch endlich an. Robert kommt aus Münster, ist 19 Jahre alt und wird bis Mitte Juni in unserer Familie bleiben. Mehr konnte ich dann auf dem kurzen Weg mit dem Taxi vom Terminal nach Hause auch nicht aus ihm herausbekommen, da ich nämlich zur ersten Reunión des Fundaciónsteams musste. Also ließ ich ihn daheim zum Frühstücken zurück und machte mich auf in die Fundación. Betty hatte nicht zu Unrecht darauf bestanden, dass ich zur Reunión erscheinen sollte, anstatt mich um Robert zu kümmern - der eh müde war. Wir sprachen über unsere Lehren, die wir aus dem alten 2014 zogen, und den neuen Zielen für 2015. Dabei kündigte Betty an, dass sie nur noch bis Mitte Januar als Directorin in der Fundación anwesend sein wird. Eine Gallen-OP zwingt sie zu einer Auszeit, welche sie auf drei Monate verlängern wird, um nach der OP mit Reha in Frankreich ihre krebskranke Schwester zu besuchen und ihr beizustehen.
Mit Robert über den Dächern von Cuenca
Nachdem diese Neuigkeit also von allen aufgenommen worden war, gab sie mir für den Nachmittag, also ab Beendigung des Mitttagessens im Comedor frei, um Robert zur Seite zu stehen und ihm schon mal etwas von Cuenca zu zeigen. Als ich aber nach Hause kam, schlief dieser dann noch tief und fest. Also überlegt ich mir zumindest, was ein Neuankömmling am Anfang braucht und sehen sollte bzw. was man ihm so zeigen könnte. Da erinnerte ich mich stark an meinen Anfang, irgendwie noch total präsent und doch schon so lange her :D Diesen Nachmittag schafften wir also echt nichts mehr, aber ich besprach zumindest mit ihm die weitere Vorgehensweise und machte mich dann am nächsten Morgen mit ihm auf den Weg. Wir fuhren gemeinsam mit dem Bus nach Turi hoch und nachmittags nahm ich ihn zum Vorstellen mit in die Fundación. Robert sollte gleich am nächsten Tag anfangen nachmittags zu arbeiten und die freien Vormittage nutzen, um sein Spanisch zu verbessern. Also nahm ich ihn am nächsten Tag, dem Mittwoch gleich mit zu unserer Spanisch-Stunde und am Nachmittag spielte er schon mit den Kindern. Am Abend machte sich dann bemerkbar, dass seine helle, wintergewohnte Haut doch wohl etwas stark von der äquatorialen Sonne geküsst worden war. Sorayas Urteil: Bevor die Verbrennung mit schon Brandblasen noch schlimmer wird, am folgenden Tag keinen Schritt aus dem Haus, nichtmals zur Arbeit! Da war er gerade den ersten richtigen Tag in der Fundación und dann gleich krank daheim. So ein Pech! Der Donnerstag, dem 6. Januar war dann Día de los Innocentes. An diesem Tag wird anstatt in Deutschland der Heiligen Drei Könige den unschuldigen Babys gedacht, die Herodes umbringen ließ, in der Hoffnung auch Jesus damit zu töten. Das ist die Theorie. Der Brauch dazu sieht ziemlich anders aus :) Die Menschen verkleiden sich, vorzugsweise ein Thema, was mit dem Tod zu tun hat, also in die Richtung Halloween. Außerdem gibt es dazu am Abend eine Kostümparade in der Stadt. Tagsüber waren sogar schon einige Kinder verkleidet in die Fundación gekommen, wir dagegen richteten uns erst abends her. Soraya ließ ihre künstlerischen Fähigkeiten spielen und verwandelte uns alle in einmalige Kreaturen, sogar für den Sonnen-geküssten Robert hatte sie eine Lösung: eine kleine Fledermaus an der Schläfe. Kathrin wurde dagegen mit einer venezualischen Maske versehen und ich verwandelte mich in einen mexikanischen Totenkopf. Obwohl mir Totenköpfe allgemein nicht so zusagen, fand ich das Motiv wirklich sehr schön.
Día de los Inocentes und seine Fratzen :)
Als wir dann alle geschminkt und ausgehfertig waren, war dann allerdings die Parade auch schon zu Ende...tja :D Also spazierten wir einfach so durch die Straßen, ließen das Flair auf uns wirken und machten natürlich Fotos von unseren gelungenen Maskierungen. Ihr seht also: Hier bei mir ist immer was los!
Mit großen Schritten ging es nun auf Silvester los! Montag und Dienstag arbeitete ich noch, daher begannen wir erst am 31. Dezember mit dem Jahresputz, der so schnell aber noch nicht abgeschlossen sein sollte :D Abends besuchten wir noch die Oma und Jorge, um ihnen einen guten Rutsch zu wünschen. Eigentlich feiert man hier Silvester auch in der Familie, aber Maribel feierte mit Fausto und der Oma war auch nicht nach großer Familienfete. Also blieb zwar Tanya mit Juanito bei ihnen über Nacht, aber ohne groß zu feiern. Soraya und ich organisierten uns also spontan ein supergeniales Silvester :D
Viejo basteln, verbrennen und darauf anstoßen ;)
Die erste Etappe wurde bei der Oma bestritten. Tanya, Juanito und ich bastelten ganz traditionell einen Viejo, der das alte Jahr (Año Viejo) repräsentiert und eigentlich erst um Mitternacht verbrannt wird. Bei dem Verbrennen steht aber nicht nur der Abschluss des alten Jahres im Vordergrund, oft wird damit auch eine Person in Verbindung gebracht, der Viejo bekommt also deren Namen. Diese Person hat sich zum Beispiel etwas im vergangenen Jahr geleistet oder man möchte ihr einfach für das kommende Jahr viel Glück wünschen. So kam es, dass wir Karin verbrannten :D Mit unserem Feuermeister Juanito trugen wir also dann schon um 21 Uhr den Viejo bzw. bei uns ja dann Vieja auf die Straße zum Anzünden und stießen auf 2014/2015 an :) Für Soraya und mich ging es dann auch schon weiter, aber aufgrund von schon nicht mehr verkehrenden Bussen liefen wir den einstündigen Weg von der Ciudadela Calderón bis nach María Auxiliadora an der Avenida de las Americas entlang. Währenddessen hatten wir genug Zeit, das Jahr zu analysieren und kamen auf ganz andere Rückblicke. Während für Soraya 2014 mit dem Auszug von Karin eins der schwersten Jahre war, meine ich, dass 2014 "MEIN JAHR" war. Die ganze Abizeit, mein 18.er, die Zeit danach mit Freunden, Reisen, Feiern und Weltmeisterschaft und schließlich mein FSJ in Ecuador sind nur einige Höhepunkte :)
Die Heulsusen
Aber davon abgesehen sind wir auch so einigen lustigen Gestalten begegnet... Jungs als Llorona verkleidet, Heulsusen, die dem alten Jahr hinterher heulen :D
Zurück Zuhause wurde der nächste Schlachtzug vorbereitet. Wir füllten den altbekannten Tetrapak-Küchenwein in meine etwas unscheinbarere Sigg-Flasche um, denn Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist hier in Ecuador eigentlich verboten. Mit unserer umfunktionierten Flasche ging es dann auf Streifzug in die Stadt, auf der Suche nach interessanten Leuten zum Anstoßen. Cuenca schien in dieser Nacht ziemlich von Ausländern besetzt. Die Cuencaner waren ja auch daheim am Feiern mit der Familie ;) So stießen wir mit einem Amerikaner an, trafen einen nicht-trinkenden Schweizer und noch einige andere.
Das war uns aber noch nicht genug und so setzten wir uns zum Ziel in dieser Nacht alle vier Elemente antreffen zu wollen. So fand ich mich nach kurzer Zeit am Río Tomebamba wieder, wo ich endgültig von Soraya auf Lady Laura getauft wurde, damit auch ich das ecuadorianische Kriterium der zwei Vornamen erfülle. Zur Erklärung: Lady Laura kommt von einem schon etwas älteren Lied, mit dem eine Hymne auf die Mutter Lady Laura gesungen wird.
Nach der überstandenen Taufe ging es dann weiter und langsam auf die 12 Uhr zu. So fanden wir uns bei einer Straßenparty ein, zu der ein übergroßer Obama mit Pferdelächeln und ein Fidel mit Affen-Segelohren in Freundschaftsketten einluden. Viejos werden nicht nur allein verbrannt, lauter begeisterte Ausländer hatten sich damit ausgestattet und schichteten ihre Trophäen zu einem mittelgroßen Haufen auf. Dieser wurde dann natürlich von Obama und Fidel bethront und pünktlich um 00 Uhr des neuen Jahres in Flammen gelegt.
Um im nächsten Jahr nicht weniger vom Glück verfolgt zu werden sprang ich dann auch dreimal über dieses Feuer drüber, immer in guter Gesellschaft von anderen Glückssüchtigen ;) Außerdem durften die unterschiedlichen Nationen gerne am Mikrofon ihre Grüße in eigener Landessprache ausrichten, irgendwie kam es dazu, dass der deutsche Gruß als erster vorgetragen wurde...wer da wohl schuld daran war :D?? Da die mitgebrachten Viejos aber nicht alle nur mit Pappmachée gefüllt waren, sondern auch teilweise mit Feuerwerkskörpern, die dann wild in die Menge schießen, habe ich mir gleich mein erstes Andenken an 2015 geholt. Mich traf eine dieser gemeingefährlichen Raketen und hat mir eine kleine Narbe auf meinen wunderschönen Rücken gezaubert :D Soraya kam auch nicht ungeschoren davon, wobei sie zum Trost Fidels Hand im Feuer fand :) Um 2 Uhr morgens wurde das neue Jahr dann aus unserer Sicht gebührend begrüßt, also gingen wir nach Hause und wollten zur ersten Mahlzeit des Jahres Bohnen mit Speck aus der Dose aufwärmen...so sehr wurde ich aber dann doch nicht vom Glück verfolgt, sodass ich die Bohnen leicht anbrennen ließ während Soraya duschte. Ich weiß also schon, dass bei meinen Kochkünsten auch im Jahr 2015 noch Luft nach oben bleibt :D!! Damit kommen wir gleich zum Año Nuevo, dem Neujahrstag! Während wir also in der Nacht nicht gerade kulinarisch verwöhnt wurden, trafen wir uns am nächsten Tag mit allen Tanten wieder im Haus der Oma. Bevor es aber soweit kam, statteten Soraya und ich der Feria Libre einen Besuch ab - die arbeiten hier sogar an Neujahr!! Dort kauften wir Krabben, damit Maribel für alle ein superleckeres Ceviche machen konnte. Alle leicht erschöpft und vielleicht auch leicht verkatert von der vergangenen Nacht erfreuten sich daher umso mehr an dieser erfrischenden kalten Meeresfrüchte-Suppe. So kann das Jahr weitergehen :)!
Ich wünsche euch allen von Herzen auch ein gutes neues Jahr und denkt dran, bald habt ihr mich dann auch schon wieder :P!